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Meine Papa (Einschulung)

So völlig anders, als heute: meine Schulzeit in der DDR

| 7 Kommentare

Überall lachen uns in den Schaufenstern und Auslagen die bunten spitzen Schultüten entgegen. Für viele kleine ABS-Schützen rückt die Einschulung greifbar nah. Zeit für mich, um an meine eigene Einschulung und kurze Schulzeit (1 bis 2 Klasse) in der DDR zurück zu denken. Denn die war so völlig anders, als heute.

Das Titelbild zu dem Artikel bildet im übrigen meinen Papa als kleinen Bengel mit seiner Schultüte zu Einschulung ab. Ich liebe dieses Bild. 🙂

Jungpioniere (Bild von der Rückseite meiner Jungpionier Mitgliedskarte)

Jungpioniere (Bild von der Rückseite meiner Jungpionier Mitgliedskarte)

Fahnen flatterten auf dem Schulhof

Ich erinnere mich noch gut: Ich wurde eingeschult, da flatterten auf dem Schulhof meiner Schule schwarz, rot, goldene Fahnen mit dem Hammer, der Sichel und dem Ehrenkranz darauf. Es war die Fahne der DDR.

Aus heutiger sicht kaum vorstellbar.

Hammer, Sichel und Ehrenkranz

Noch am Tag der Einschulung oder war es doch der erste Schultag, wie auch immer, da wurde uns von der Lehrerin wichtig erklärt, was Hammer, Sichel und Ehrenkranz auf der Fahne der DDR bedeuteten.  

Mir erschien es wichtig, dass ich mir das gut einpräge. Heute weiß ich es nicht mehr.

Ich wurde Jungpionier

Mit dem Schulbeginn wurden wir nicht nur Schüler der ersten Klasse, sondern auch Jungpioniere. Wir bekamen ein schickes blaues Halstuch als eine Art Uniform. Das trugen wir Jungs zu einem weißen Hemd und die Mädels zu einer weißen Bluse, aber nur zu bestimmten Anlässen. Meist lag es gut aufbewahrt daheim im Schrank.

Wir bekamen auch noch die Mitgliedskarte der Jungpioniere. Ich habe diese heute noch.

Das war schon irgendwie etwas Besonderes.

Fahnenapel und ein Versprechen

Ich habe noch bildlich einen Fahnenappel auf dem Schulhof im Kopf, wo sich alle Klassen kreisförmig um ein kleines Podium versammelten. Wir Schüller sprachen dem  Sprecher nach. Es war wohl das  Pionierversprechen:

«Ich verspreche,

ein guter Jungpionier zu sein.

Ich will nach den Geboten

der Jungpioniere handeln.»

Gebote der Jungpioniere

Bruchstückhaft erinnere ich mich dabei noch an einen Schüler, der zu uns Schülern in Uniform sprach. Vielleicht waren es die Gebote der Jungpioniere:

«Wir Jungpioniere lieben unsere Deutsche Demokratische Republik

Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern.

Wir Jungpioniere lieben den Frieden.

Wir Jungpioniere halten Freundschaft mit den Kindern der Sowjetunion und aller Länder.

Wir Jungpioniere lernen fleißig, sind ordentlich und diszipliniert.

Wir Jungpioniere achten alle arbeitenden Menschen und helfen überall tüchtig mit.

Wir Jungpioniere sind gute Freunde und helfen einander.

Wir Jungpioniere singen und tanzen, spielen und basteln gern.

Wir Jungpioniere treiben Sport und halten unseren Körper sauber und gesund.

Wir Jungpioniere tragen mit Stolz unser blaues Halstuch.

Wir bereiten uns darauf vor, gute Thälmannpioniere zu werden.»

Ich hoffte dabei nur, dass ich nicht einmal vor diesen ganzen Schülern stehen muß.

Sport frei

An was ich mich aber noch sehr gut erinnere ist, dass wir Schüler den Sportunterricht immer fein ordentlich hinter- oder nebeneinander aufgestellt, mit einem dreifachen «Sport frei… Sport frei… Sport frei» begannen. Wir riefen das immer aus voller Kehle.

Und der Schulgarten…

… aus dieser Zeit, der war total toll. Jede Klasse hatte dort ihr eigenes Beet, das sie umgraben, bepflanzen und pflegen musste.  Mir machte das ordentlich Spaß.

Das war eine schöne Sache. Warum gibt es das heute eigentlich nicht mehr? Oder gibt es das noch? Mhhhh…

Den Soldaten der Sowjetunion

Dann war da dieser Tag, an dem sich eine wahnsinnig lange Kette von Schülern zu einem Ehrenmahl der Soldaten der Sowjetunion – davon gab es im Osten Berlins sehr viele – hin zog. Dort loderten Flammenschallen und viele Blumen waren niedergelegt. Auch unsere Schule legte einen Kranz nieder.

Dies Ereignis prägte sich fest bei mir ein.

Unvorstellbar

Die 5 Tage Schulwoche ist heute so normal, wie als hätte es nie etwas Anderes gegeben. Denkste! Ich erlebte noch die 6 Tage Schulwoche, die aber mit der Mauer viel.

Papier, Flaschen und Bügeleisen

Was nicht zum Thema  Schule gehört, aber zu dieser Zeit, dass ist die Altstoffsammlung. Wir Kinder sammelten eifrig Papier und Flaschen wofür wie Geld von der Altstoffsammelstelle bekamen. Begehrt war auch Eisen, weshalb wir hofften, dass wenn wir bei den alten Herrschafften an der Haustür klingelten, ein schönes altes Bügeleisen für uns abfiel. Das gab ein ordentliches Taschengeld. 🙂

Ja, so war das damals. Das ist nun fast 25 Jahre her. Oh mein Gott. Erinnert Ihr Euch auch?

Bücher zum Thema heraus gepickt

Wer von Euch sich für das Thema Schule, Junpioniere und Kindheit in der DDR noch weiter interessiert, für den habe ich zwei Bücher herraus gepickt, die Euch evtl. interessieren könnten. Wenn Ihr auf Die Bilder klickt, dann gelangt Ihr direkt zu Amazone (1).

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Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

7 Kommentare

  1. Ja Wahnsinn, Fahnenappell! Das klingt ja echt arg! Ich kann mir schon vorstellen, dass viele kleine Burschen von so viel Pseudomilitarismus begeistert waren, ich finds schrecklich (mit hat schon das Regiment der Schwester Oberin in dem Kloster Internat, in das ich 2 Jahre gehen musste gereicht). Aber lesen tu ich deine Erzählungen von alten Zeiten unheimlich gern! Sauce ja alles, was mit Zeitgeschichte zu tun hat, wie ein Schwamm auf 🙂
    Danke dafür, liebe Grüße Babsy

    • Hi Babsy 🙂

      So militarisch war das Ganze gar nicht. Es ging ganz ungezwungen von statten. Jedenfalls was meinen Jahrgang angeht.

      Du warst im Internat… da ging es bestimmt nicht immer nett zu.

      Ich schreibe auch über meine Kindheitserinnerungen gerne und noch schöner ist es, wenn diese von Anderen aufgefangen werden und sie ebenso erinnern.

      Irgendwann will ich alle meine Artikel aus dem Blog als Buch für meine Kinder binden lassen. Das ist bestimmt eine schöne Erinnerung und Fundgrube für die Kinder.

      lg. Christian

  2. Als ich gerade „Sport frei“ las, musste ich grübeln.

    Ich wurde geboren, da hatte sich die DDR gerade „verabschiedet“ (November 1990)

    Ich wechselte in der 7 Klasse auf ein Gymnasium.
    Die 6 Schuljahre davor, rief sogar ich noch „Sport frei“

    Hat man mir also damals, so ein bisschen Jungpionier mit gegeben?
    Irgendwie find ichs lustig.
    Die Lehrerin würde dazu passend. So eine tranfunzelige, von der „alten Schule“

    Liebe GRüße

    • Ja, ja die juten Lehrer/innen von der alten Schule, die hatten es in sich. Dagegen sind die Lehrer heute wahre Lämmer. 🙂

      Das „Sport frei“ gab es natürlich auch später noch. 🙂

      lg. Chris

  3. Ich bin ja nun schon etwas älter, kann mich jedoch erinnern, dass ich damals stolz war Jungpionier zu sein und die Pionierkleidung auch stolz zu bestimmten Anlässen trug. Auch die Pioniernachmittage waren immer sehr spannend. Ich bereue nicht Junpionier gewesen zu sein und erinnere mich auch gern zurück.

    • Hi Mutti 🙂

      Ich glaube für die Kinder waren die Jungpioniere auch eine großartige Sache. Doch erzähl das mal einem jungen Menschen heute. Ich glaub der schüttelt einfach nur den Kopf. Wirkt das ganze doch so unvorstellbar und fremd.

      lg. Dein Sohn

  4. Hallo, ich lese mich gerade kreuz und quer durch Deinen Blog und finde Deine Artikel sehr unterhaltsam. Zu der Fahne, auf der Hammer, Sichel und Ehrenkranz abgebildet gewesen sein sollen, muss ich aber mal etwas klugscheißen. Die Fahne war schwarz, rot, gold mit einem Hammer, einem Zirkel und einem Ährenkranz (Getreide)! Die Sichel war auf der sowjetischen Flagge abgebildet.

    Da ich es auch noch bis zum Ende der Thälmannpionierlaufbahn gebracht habe, bevor zum Glück die Grenzen fielen, bin ich mir da relativ sicher. 😉

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