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Nicola Puell in ihrem Kiezladen Pankow

Warum wir bewußter Einkaufen sollten – ich führte ein Interview mit Nicola Puell vom Kiezladen Pankow

| 2 Kommentare

Sommerverlosung: Es gibt den Nuna PEPP Buggy zu gewinnen

Durch meine Kinder habe ich mich ein Stück weit verändert. Ich gehe bewußter durchs Leben und trage Verantwortung. Gesunde Ernährung, gute regionale Lebensmittel und ein schöner Kiez, in dem meine 2 Mädels aufwachsen, sind mir wichtig.

Ich sehe, dass überall Billig Discounter und große Center aus dem Boden schießen. Im Kiez dagegen schließt ein kleiner Laden nach dem anderen. Für die Menschen und den Kiez sind diese kleinen Läden aber wichtig.

Ich führte hierzu ein sehr interessantes Interview mit Nicola Puell (38), der Inhaberin vom Kiezladen Pankow. Sie wohnt mit ihrer Familie im Berliner Prenzlauer Berg, ist Vegetarierin, kocht und backt leidenschaftlich gern und kauft vorrangig biologisch-nachhaltige Lebensmittel und Drogerieprodukte. 

Nicola Puell im Kiezladen Pankow. (Foto von Alexander Puell)

Nicola Puell im Kiezladen Pankow. (Foto von Alexander Puell)

Vorweg möchte ich Euch aber noch mitteilen, dass der „Kiezladen Pankow“ mein erster Partner für meine Kiez-Aktion ist: „Was die Großen können, das können wir Kleinen schon lange!!!“.

Ich habe mich riesig gefreut, dass mir der niederländische Hersteller nuna für meine Aktion den tollen Nuna PEPP Buggy (1) zu Verfügung gestellt hat.

Wer aus Berlin kommt und den Buggy gewinnen möchte, der braucht einfach nur bis Ende Juli im Kiezladen vorbei schauen und ein Los ausfüllen. 🙂 

Ich kann Euch nur sagen, dass sich der Nuna PEPP Buggy super einfach auseinander klappen lässt und meine Maus und mich mit seinem Fliegengewicht und seiner Platz Sparsamkeit begeistert hat. Er macht sich nicht nur im Alltag perfekt, sondern auch auf Reisen und im Urlaub. Der Buggy eignet sich für Kinder ab 6 Monate bis 18kg.

Der Nuna PEPP Buggy

Der Nuna PEPP Buggy

Als ich den  Buggy in den Kiezladen brachte, da wußte ich, dass dieser dort genau richtig ist. Denn vor dem Laden saßen zahlreiche Eltern mit ihren Kindern und genossen ihr leckeres Eis in der Sonne. 🙂

Nun zum Interview:

Liebe Nicola, Dein Laden liegt mitten im Kiez, rund um die Wolfshagener Straße in Pankow. Laufkundschaft gibt es kaum. Du bist auf die Nachbarn angewiesen. Geht dieses Konzept heute überhaupt noch auf?

Das ist eine gute Frage, die ich mir selbst oft stelle. In der Welt, die ich mir wünsche und in der ich lebe, wissen wir alle um die Verbundenheit aller Dinge und Wesen in der Welt. Als ich den Kiezladen übernommen habe wurde ich ein Teil dieser Nachbarschaft. So wie ich weiß, dass der kleine nachbarschaftliche Bioladen dem Kiez Lebensqualität, soziale Sicherheit und Identität gibt, hoffe ich, dass meine Nachbarn wissen, dass sie diese Werte aktiv erhalten oder verfallen lassen können. Ich vertraue darauf, meine Vision mit genügend Menschen zu teilen, damit der Kiezladen erhalten bleibt.

Der Kiezladen lädt zum Verweilen ein. (Foto von Alexander Puell)

Der Kiezladen lädt zum Verweilen ein. (Foto von Alexander Puell)

Warum sollte man lieber bei Dir um die Ecke einkaufen, als zum Billig Discounter oder Supermarkt zu gehen?

Der kleine Laden an der Ecke macht viel mehr, als mich mit Lebensmittel, Getränken und Drogerieartikeln zu versorgen. Er entschleunigt in unserer gestressten Welt, er lädt ein zu Gesprächen, er versorgt mich mit Hintergrundswissen zu meinem Essen, er bedient auch mein Herz.

Darüber hinaus ist der Gang zum Einzelhändler um die Ecke auch eine politische Tat. Die kleinen Händler sichern die Unabhängigkeit von Produzenten, unterstützen lokale Strukturen, schaffen lebenswerte Nachbarschaften, in denen man kein Auto braucht zum einkaufen und die einfach unverwechselbar sind. Sie sind sozialer Treffpunkt und wirken der Vereinsamung entgegen. Sie schaffen verantwortungsvolle und vielseitige Arbeitsplätze und engagieren sich.

Wer das wirklich will, geht nicht zum Billig Discounter sondern kauft regelmäßig im Kiezladen ein – und zwar nicht nur ein Getränk sondern den ganzen Einkauf!

Dein Kiezladen erinnert mich an den guten alten Tante Emma Laden. Dich auch?

Na klar. Wir kennen viele unserer Kunden/Innen mit Namen, nehmen teil an ihrem Leben und wissen, wem man auch mal helfen muss – zum Beispiel Getränke, Nudeln und Spülmittel aus unserem oberen Verkaufsraum holen, weil die Treppe im Alter zum unüberwindbaren Hindernis geworden ist!

Bei uns gibt es auch noch Süßigkeiten einzeln und taschengeldverträglich aus dem Bonbon-Glas und Zigaretten werden nur „unter dem Ladentisch“ verkauft.

Wir führen ein ausgewogenes Grundsortiment an Dingen des alltäglichen Bedarfs – wie es immer so schön heißt – weil wir unserem Kiez ganz klare Alternativen bieten wollen zum Besuch des nächsten Einkaufscenters.

Beschreibe Dich und Dein Team mit 4 Wörtern:

Vielfältig, liebevoll, idealistisch, offen.

Kiezladen-Panorama (Foto von Alexander Puell)

Kiezladen-Panorama (Foto von Alexander Puell)

Hast Du auch viele junge Familien als Kunden?

Ja, junge Familien kommen oft in den Kiezladen – erst mit rundem Babybauch und dann als stolze, übernächtigte Eltern 😉 Dabei spielen die Nähe zum Wohnort, die entspannte Atmosphäre und natürlich unser Bio-Sortiment eine große Rolle. Und bei uns kann man vor oder nach dem Einkauf auch mal verweilen, sein Kind stillen und bekommt von mir dazu auch ein Glas Wasser gebracht, wenn Zeit dafür ist.

Besonders schön ist es auch, wenn die Kinder erst mit und später ohne Eltern alleine einkaufen üben. Ein Mädchen hat es mir besonders angetan, die freitags die Wochenendbrötchen für die Familie vorbestellt und tags drauf abholt. Geübt und selbstbewusst – dabei reicht sie gerade über den Ladentisch.

Aber das schöne an unserem Kiez ist, dass eben nicht nur die jungen bio-affinen Familien kommen, sondern auch die Teenager, die Alleinstehenden, die Angestellten, die Selbständigen, die Bauarbeiter, die Alten, die Glücklichen und die Einsamen.

Wir sind eben für alle!

Ich achte beim Einkauf unserer Lebensmittel nicht auf BIO oder Herkunft. Sollte ich das tun?

Da stichst du bei mir in ein Wespennest!

Vorab: „Sollen“ und „Müssen“ sind ja etwas schwierige Begriffe aber ich gebe dir gerne ein paar Argumente an die Hand um eigene Entscheidungen zu treffen.

Jeder von uns ist von natürlichen und sozialen Ressourcen abhängig – da ist es sinnvoll, damit schonend und nachhaltig umzugehen! Leider hat unsere globale Gemeinschaft Geld zum Wert erhoben (an Stelle von Werten wie Liebe, Gemeinschaft, Sicherheit etc.) und viele Menschen, vor allem auch in Firmen und Konzernen, agieren zugunsten dieses Wertes auf unser aller Kosten.

Die Biologische Landwirtschaft und Firmen, die BIO und FAIR produzieren, gehen in der Regel andere Wege:
In der biologischen Landwirtschaft wird der Boden nicht ausgebeutet, sondern dieser besondere Organismus gepflegt und gehegt. Das verhindert massive Bodenerosion, wie man sie aus der konventionellen Landwirtschaft weltweit kennt.
Tiere werden in der ökologischen Tierhaltung nicht unnötig gequält – optimalerweise dürfen sie wahrlich artgerecht leben. Und falls einem das Schicksal unserer Mitlebewesen nicht so nahe geht, ist es gut zu wissen, dass in der ökologischen Tierhaltung der präventive Einsatz von Antibiotika verboten ist. Es ist weithin bekannt, dass die massiven Antibiotika gaben in der konventionellen Massentierhaltung die Bildung von – zu recht gefürchteten – multiresistenten Keimen fördern.
BIO verzichtet auf Giftstoffe und Zusätze und deklariert Inhaltsstoffe ehrlich. BIO Lebensmittel und Naturkosmetik sind “echt” – sie enthalten keine petrochemischen Kunststoffe (Stichwort Kaugummi), strahlende Chemie (Stichwort optische Aufheller im Waschmittel) und Geschmack, der aus dem Bakterientank kommt (Stichwort Natürliches Aroma, zum Beispiel im Pfirsichjoghurt).
Die meisten BIO Firmen achten auch darauf, ihre Mitarbeiter fair zu behandeln und nachhaltige Geschäftsbeziehungen zu ihren Zulieferern aufzubauen. Oftmals – leider noch nicht immer – finden dabei fair gehandelte Rohstoffe (bei denen die Bauern und Feldarbeiter eben auch fair bezahlt und behandelt werden) Verwendung.
Die Biologische Landwirtschaft trägt übrigens auch maßgeblich zur Nahrungssicherheit der Zukunft bei, indem sie alte und vielfältige Nutzpflanzensorten erhält. Das ist in Zeiten des Klimawandels eine absolute Notwendigkeit, denn nur mit dieser Biodiversität lässt sich sicherstellen, dass uns bei veränderten klimatischen Bedingungen auch künftig Pflanzenarten zur Verfügung stehen, die dann hier und in anderen Ländern ausreichend Ertrag bringen!

Du merkst schon, das ist ein weites Feld und zum Thema Herkunft bin ich noch nicht einmal vorgedrungen …

Ich versuche im Kiezladen regionale Lebensmittel zu fördern. Nicht nur, weil ich sicher bin, dass der Transport von Wasser in Flaschen über Weltmeere hinweg (auch in den USA bekommt man französisches Wasser) oder von Milch über die ganze Republik ebenso unnötig wie verschwenderisch ist. Auch, weil wir uns nicht im selben Moment betrübt über das Aussterben von Dorfgemeinschaften in Brandenburg äußern können, während wir Milchprodukte aus den Alpen und Brötchen aus China verspeisen. Sicher, manche Zusammenhänge sind komplizierter – so kippt beispielsweise die Ökobilanz für eingelagerte deutsche Äpfel irgendwann im Frühjahr zugunsten der Äpfel aus Neuseeland und Argentinien, die im Containerschiff zu uns kommen! Alles in allem gilt jedoch unumstritten: regional und SAISONAL ist eine gute Wahl. Das ist bei Obst und Gemüse in Deutschland schnell mal etwas ernüchternd und ich sehe auch bei mir im Laden, dass meine gutgemeinten Saison-Angebote oft verschmäht werden. Frische Rote Bete, Pastinaken, ja selbst Rhabarber und Kohl finden kaum Liebhaber und ich kann sie nur selten anbieten. Meine eigene Generation hat in der Masse gar nicht mehr gelernt, wann in Deutschland welche Lebensmittel Saison haben, geschweige denn, wie man sie verarbeitet! Ein großes Dilemma.

Würdest Du den Kiezladen noch einmal übernehmen, wenn Du die Zeit zurück drehen könntest?

Darüber mache ich mir keine Gedanken. Den Kiezladen zu übernehmen war für mich zum damaligen Zeitpunkt und in meiner Situation die einzige Entscheidung die ich fällen konnte. Ich lebe in der Gegenwart und plane für die Zukunft. Was mich beschäftigt ist jetzt, da es mein Laden ist: wie weiter? Was möchte ich dem Kiez bieten, damit wir noch attraktiver werden, welche Bedürfnisse können wir heute noch nicht erfüllen? Ich bin mir sicher, dass der Kiezladen den Menschen einiges zu bieten hat – der einzige Zweifel, der mich manchmal befällt ist, ob ich genug Energie habe, die nötigen Schritte zu gehen damit der Kiezladen bleibt.

Kiezladen Pankow (Nachbarschaftlicher Bioladen), Wolfshagener Str. 85, 13187 Berlin, M.-Fr. 8.30-19.00 Uhr, Sa. 8.00-16.00 Uhr

  •  (1) Liebe Leserinnen und Leser, die Website www.papiredetmit.de ist Teilnehmer des Partnerprogramms von Amazon Europe S.à r.l., ein Partnerwerbeprogramm, das für Websites konzipiert wurde, mittels dessen durch die Platzierung von Werbeanzeigen und Links zu amazon.co.uk / Javari.co.uk / amazon.de / amazon.fr / Javari.fr / amazon.it Werbekostenerstattungen verdient werden können.

 

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für das nette Interview – hat Spass gemacht! Gruss, Nicola

  2. Ein inspirierendes Interview! Ich wünsche Dir, Deinem Team und Deinen Kundinnen und Kunden ein erfülltes Kiezleben.

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