Ein vierfacher Vater und Erzieher über Familie, Erziehung, Träume & Karriere, Kindheitserinnerungen, Do it Yourself

Melinchen hat mit ihrer Erzieherin eine Kette aus Brezeln gebastelt. Hhhmmhh lecker...
Melinchen hat mit ihrer Erzieherin eine Kette aus Brezeln gebastelt. Hhhmmhh lecker...

Kein Kind geht gerne in den Kindergarten – ein Gespräch über Kind und Kindergarten

| 9 Kommentare

Ich bin normalerweise die Ruhe in Person. Es gibt aber Dinge die bringen selbst mich auf die Palme. Nicht das ich wütend oder ausfallend werde. Eher wird meine Stimmung betrübt. Neulich sprach ich mit einem guten alten Freund, der wie ich zweifacher Vater ist, über das Thema „Kind und Kindergarten“. Der Freund, ein echter Sturkopf, ist überhaupt nicht offen für andere Gedanken und damit komme ich nur schwer zu recht.

Ich erzählte ihm, dass unsere ältere Tochter (2) der Kindergarten richtig gut tut und in einen Monat nun auch unsere jüngere Tochter (10 Monate) in den Kindergarten kommt. Damit traf ich bei ihm einen Nerv.

Picknick beim Sommerfest unserer Kita

Picknick beim Sommerfest unserer Kita

Die Kindergärten kann man alle vergessen

Er meinte darauf, «die ganzen Kindergärten, mit ihren Erzieherinnen und Erziehern, kann man alle vergessen. Die Kinder haben dort keine richtigen Bezugspersonen, da die Erzieherinnen und Erzieher ständig wechseln oder krankheitsbedingt ausfallen. Der Mitarbeiterschlüssel stimmt auch überhaupt nicht. Die wenigen Erzieherinnen können sich überhaupt nicht richtig um die vielen Kinder kümmern. Würden wir die Kinder nicht wegen unserer Arbeit in den Kindergarten schicken müssen, dann wären sie zu Hause besser aufgehoben».

Ich muß ihm leider in zwei Punkten zustimmen. Die Erzieherinnen wechseln tatsächlich öfter und der Mitarbeiterschlüssel ist wirklich knapp berechnet.

Völliger Quatsch

Melinchen hat mit ihrer Erzieherin eine Kette aus Brezeln gebastelt. Hhhmmhh lecker...

Melinchen hat mit ihrer Erzieherin eine Kette aus Brezeln gebastelt. Hhhmmhh lecker…

Dass man aber alle Kindergärten völlig vergessen kann, das finde ich quatsch. Sicher gibt es Kindergärten die nicht weiterzuempfehlen sind. Steht und fällt ein Kindergarten ja auch mit seinen Erzieherinnen und Erziehern. Und die sind leider nicht überall mit Leib und Seele dabei. Bei uns schon.

Alle sind also gewiss nicht schlecht. Und es bringt uns auch nicht weiter, wenn wir alle nur rum meckern und uns selber runterziehen. Als Eltern kann man sich im Kitaleben einbringen oder sogar Elternsprecher werden. Damit kann man viel bewirken!

Der Elternsprecher unserer Kita hat sogar organisiert, dass sich alle Eltern einmal im Monat im Park mit den Kindern und Freunden treffen können.

Was der Kindergarten unserer Tochter und uns gebracht hat

Seit dem unsere Tochter im Kindergarten ist, da hat sich ihr Wortschatz um einiges vergrößert und die Aussprache um vieles verbessert. Sie sagt Wörter, singt Lieder oder erzählt Geschichten, wo wir Eltern uns anschauen und sagen von wem hat sie das nur. 🙂

Sie hat tolle Tischmanieren gelernt. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als sie von ganz allein den Tisch abgeräumt hat und Geschirr abwaschen wollte. In der Kita werden die Kinder nähmlich bei der Hausarbeit miteinbezogen. Mehr spielrisch als ernst- das versteht sich von selbst. Als ich einmal esse und anfange zu erzählen, unterbricht mich unsere Tochter und sagt,  «erst essen, dann sprechen». 🙂 Hhhmmhhh… hatte ich vergessen. 🙂

Sie erlebt auch tolle Sachen im Kindergarten. So war sie schon mit den anderen Kindern zu Besuch in einer Feuerwehr, im Bauermarkt, Bioladen oder in der Bücherei, wo jedes Kind in seinen Rucksack Bücher für den Kindergarten mit nehmen dürfte.

Im Kindergarten tanzt, singt, spielt, bastelt, kocht und pflegt sie die Blumen- und Gemüsebeete. Auch Sport macht sie mit den anderen Kindern.

Auch wir Eltern werden in das Kindergartenleben unserer Tochter mit einbezogen. Innerhalb eines halben Jahres waren wir jetzt schon beim Oster- und Sommerfest der Kita, wo wir die anderen Eltern und Kinder kennenlernen dürften. Es gab auch einen gemeinsamen Arbeitseinsatz, wo wir Eltern mit den Erzieherinnen gemeinsam einen schönen Außenbereich mit kleinem Spielplatz und Beeten für die Kinder geschaffen haben. Das waren tolle Erlebnisse, die einen noch mehr mit dem Kindergarten verbinden und wo wir Eltern andere Eltern aus unserem Kiez kennenlernen konnten.

Als ich das alles meinem Freud erzähle, meint er unbeeindruckt darauf, «dafür braucht man doch keinen Kindergarten».

Gemeinsam mit Gleichaltrigen darauf kommt es mir an

Natürlich braucht man dafür keinen Kindergarten. Aber gemeinsam mit anderen Kindern etwas  zu unternehmen und zu erleben, wirkt doch ganz anders auf ein Kind, als wenn es immer nur die Eltern um sich hat. Darum geht es mir.

Hier lernen die Kinder sich einzubringen, unterzuordnen und durchzusetzen. Doch nicht nur das lernen und erfahren die Kinder im Kindergarten. Sie knüpfen soziale Kontakte und entdecken gemeinsam mit Gleichaltrigen die Welt. Kinder lernen gerne von Kindern. 

Kein Kind geht gern in den Kindergarten

Als ich auch das meinen Freund erzähle, da meint er weiter ganz und gar überzeugt, «welches Kind geht schon gern in den Kindergarten. Meine Mädels nicht. Und ich bin als Kind auch nicht gern in den Kindergarten gegangen

Ich gebe ihm recht und sage, „wäre auch schlimm, wenn es anders wäre. Denn bei den Eltern ist es immer schöner. Es ging mir als Kind nicht anders. Ich habe es sogar geschafft aus dem Kindergarten auszubüchsen, weil ich wieder zu meiner Mama wollte, und eine Scharr von Erziehrinnen hatte meine Verfolgung aufgenommen.Sie konnten mich einholen und ich habe wie ein Schloßhund geheult. Das weiß ich heute noch.

Doch immer schöner, ist nicht gleich auch immer besser. Im Kindergarten konzentriert man sich auf die Kinder. Daheim geht das nicht immer. Hier warten Haushalt und Arbeit„.

Ich habe mir keine Kinder angeschafft um sie abzugeben

Ich schmeiße ihn noch einen Brocken hin und füge hinzu, «es ist auch einmal schön, wenn man sich als Eltern eine Pause gönnen kann, wenn die Kinder im Kindergarten sind».

Er wird erregter und schleudert mir entgegen «ich habe mir keine Kinder angeschafft, um sie abzugeben».

Vatergefühle in aller Ehre, aber…

Seine Vatergefühle in aller Ehre, aber nur weil man seine Kinder in den Kindergarten oder zu Oma und Opa gibt, schiebt man sie noch lange nicht ab.

Und das habe ich auch nicht vor. Aber jeder weiß, eine Pause birgt auch immer neue Energie in sich. Und von der braucht man für Kinder bergeweise.

Meine Zweifel

Natürlich frag ich mich manchmal ob es gut ist, dass ich meine Mädels schon so früh in Anderer Obhut gebe. Aber dann besinne ich mich und sage zu mir selbst „wir schenken ihnen so viel Liebe und den Großteil unserer Zeit„.  Sie lieben uns dafür und werden es wohl auch immer tun. Das war bei meiner Frau und mir mit unseren Eltern nicht anders.

Ich mache mir also keine Sorgen über Spätfolgen, die die Eltern-Kind-Beziehung stören, wie es eine Eva Herrman herauf beschwört.

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

9 Kommentare

  1. Diese Spätfolgen, die irgendwelche Fachleute hervor beschwören, wenn man seine Kinder früh in den Kindergarten gibt, die machen mich schon ein wenig unsicher, wenn ich daran denke, dass Vincent nächste Woche in der Kita startet, obwohl er vor zwei Wochen erst ein Jahr alt geworden ist.
    Aber wenn ich dann wieder an die Kita denke, an die wunderbaren, liebevollen Erzieherinnen, die natürlich wegen Schwangerschaft etc. ausfallen können, aber nun auf jeden Fall da sind, gut besetzt und mit Freude am Beruf. Wenn ich daran denke und daran wie wohl sich Vincent bis jetzt bei unseren Besuchen im Kindergarten gefühlt hat, dann weiß ich – alles ist gut!
    Sonea geht in den gleichen Kindergarten und sie mag die Kitaferien überhaupt nicht. Jeden Morgen gibt es großes Geschrei, weil sie in den Kindergarten möchte. Da steht sie dann mit dem Rucksack am Rücken, die Schuhe rechts auf links, aber alleine angezogen und schmollt, weil auch heute Kitaferien sind.
    So viel hat sie gelernt in dem letzten Jahr, vor allem sprachlich hat sie einen großen Sprung gemacht. Bei aller Förderung, die sie vorher von uns bekommen hat… es gibt einfach nichts, was förderlicher ist, als andere Kinder.

    Natürlich gibt es auch Kinder, die nicht gerne in den Kindergarten gehen, wie Deinen Freund und seine Kinder. Aber das ist vielleicht auch einfach eine Typsache.

    Liebe Grüße
    Katharina

    • Hi Katharina

      Das ist ja schön, dass Deine Beiden in den selben Kindergarten gehen. Unsere gehen auch in eine Kita, die auch nur eine Gruppe von 25 Kindern hat. 🙂

      Deine Große hat den Kindergarten gepackt und liebt ihn, dann wird es ganz bestimmt bei deinem Kleinen ganz genauso!!!

      Liebe Katharina ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute!!!

      lg. Christian

  2. Ich glaube Deinem Freund geht es gar nicht um Argumente für oder gegen Kitas. Ihm macht es einfach nur Spaß, wenn Du nach Argumenten suchen musst um seine Behauptungen zu widerlegen.

    Wie ich meine Kinder versorge ist doch ganz allein davon abhängig, wie es dem Kind dabei geht und letztendlich auch, wie es mir dabei geht.
    Keine Familiensituation ist gleich und vor allem kein Außenstehender, der nicht in ähnlicher Situation war kann meine Situation beurteilen!

    Wir haben einen KiGa mit super Betreuung, super Betreuungsschlüssel und den Kinder gefällt es trotzdem manchmal nicht. So wie es ihnen zu Hause auch manchmal nicht gefällt!

    Liebe Grüße
    Suse

    • Hi Suse

      Ich weiß nicht um was es ihm geht. Ich denke er ist halt total überzeugt von seiner Meinung und meint das diese auch für Andere richtig ist.

      Das aber jeder seine eigenen Lösungsansätze hat und haben muß, dass scheint er nicht sehen zu wollen.

      lg. Christian

  3. Hallo Christian,

    ich denke, da ist jedes Kind individuell. Das eine Kind mag es im Kindergarten, das andere nicht. Ich denke viel wird den Kindern auch durch eigene Gefühle vermittelt. Wenn ich als Elternteil eigentlich gar nicht davon angetan bin, dann gebe ich es unbewusst an mein Kind weiter.

    Mia hat ja nun 8 Wochen für die Eingewöhnung gebraucht, aber nun kann es ihr Morgens nicht schnell genug gehen, dass sie in die KiTa kommt. Sie geht gerne hin, aber an manchen Tagen hat sie auch keine große Lust, das merkt man dann auch. Aber von uns Erwachsenen geht auch nicht jeder jeden Tag mit der größten Freude zur Arbeit 😉 Nichts anderes ist es für die Kleinen.

    Ich bin dennoch froh Mia in den Kindergarten zu geben, denn so habe ich Ruhe beim Bewerbungen schreiben und sie hat schon jetzt unheimlich viel gelernt dort. Und sie redet zu Hause auch viel die Namen der anderen Kinder dort. Es ist schön, wenn ich Zeichnungen und Basteleien von Mia zu sehen bekomme, Bilder vom spielen und die Fortschritte erkennen kann. Vieles hätte ich hier zu Hause gar nicht so bieten können.

    Ich denke dein Kumpel ist gefestigt in seiner Meinung, warum weiß nur er. Aber so ist es im Thema „Erziehung“ doch meist.

    Liebste Grüße
    Mine

  4. Uijui juiii….
    Na da hattest du ja ein interessantes Gespräch!! 😉

    Unsere große „schiebe ich nun auch seid einer Woche in den Kiga ab!“…. 😀

    Ich fürchte das sie viel Spaß dort hat, und sehr gerne hingeht.
    Sie geht derzeit erstmal nur 2-3 Stunden vormittags – und wenn ich komme freut sie sich tierisch und geht gerne mit. Abe morgens mag sie immer direkt los.
    Die 2-3 Stunden reichen ihr eindeutig erstmal…
    MIR aber auch….. *thihi….

    Ich glaube das der Austausch mit anderen Kindern sehr wichtig ist für die kleinen. Wie bei eurer kleinen auch, merken auch wir das die Aussprache besser wird und auch sonst wächst der Wortschatz immens. Und das nach gerade mal zwei Wochen.

    Aber wie Mine schon geschrieben hat – ob ein Kind gerne geht oder nicht ist auch sicher von Kind zu Kind unterschiedlich. Und die Eltern spielen da wohl auch eine große Rolle!!! Wenn die Kinder schon das Gefühl haben „eigentlich will mama/papa mich gar nicht hierlassen!“ haben sie sicher auch kein gutes Gefühl.

  5. Hallo lieber Chris. Ich stimme Dir voll und ganz zu! Unsere Tochter ist mit 10 Monaten in die Kita gekommen. Der Plan war, dass ich wieder arbeiten gehe. Leider hat sich das zerschlagen. Unser Kind geht dennoch immer noch (schon 9 Monate) in den Kindergarten. Sie findet das nicht jeden Morgen super, wenn ich sie abgebe, aber ich glaube, es tut ihr sehr gut. Ich liebe es, wie sie strahlt, wenn ich sie abhole….aber ich liebe es eben auch, mal diese Auszeit zu haben. Ich sehe, was sie lernt und wie vielfältig Ihre erlebnisse und Fortschritte sind. Ich bin der Meinung, dass ich ihr das alles zu Hause nicht bieten könnte. Nach meinem Bericht bei Facebook, dass mein Kind bereits in die Kita geht erreichte mich aber auch eine Mail mit Hinweis auf die Spätfolgen und Info, dass solche Kinder später oft Psychopharmaka nehmen….nun gut. Ich habe das Gefühl, meinem Kind geht es prima. Ich glaube sie liebt es in der Kita (auch wenn sie morgens mal Theater macht) und ich denke, sie liebt uns Eltern sehr! Wie gesagt stimme ich Dir voll zu. LG und schönen Sonntag, Jule

    • Hallo Jule,

      Danke für Deine Antwort. Dass Dein Kind durch den frühen Kitabesuch später Psychopharmaka nehmen könnte ist doch echt quatsch. Da würde ich ja gern einmal die Studie bzw die Begründung zu lesen, dann müssten ja heute fast alle Kinder, die in der DDR groß geworden sind Psychopharmaka nehmen.

      lg. Chris

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