Ein vierfacher Vater und Erzieher über Familie, Erziehung, Träume & Karriere, Kindheitserinnerungen, Do it Yourself

Lotti und ich

Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel – warum ich als Vater nicht alles hinschmeiße, arbeiten gehe und meine Träume nicht aufgebe

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Eigentlich dürfte ich im Augenblick gar nicht aufhören vor Freude in die Luft zu springen. Denn Maus hat schon 1 Monat vor Ende der Elternzeit wieder Arbeit. Das bedeutet: Wir sind zwei Verdiener. 🙂 Melinchen (2 Jahre und 9 Monate) und Lotti (11 Monate) gehen in den Kindergarten. Das war kein leichter Weg. Daher ist unsere Freude umso größer. Ich bin sehr stolz auf uns. Dennoch bin ich mit mir und meiner Welt nicht zu frieden.  Ich bin jetzt einmal ganz ehrlich zu mir und zu Euch:

Wir leben zu viert in einer zweieinhalb Zimmer Wohnung. Das ist in Ordnung, aber kein Dauerzustand. Mehr können wir uns jedoch kaum leisten. Weise Sprüche, wie der gern zitierte von Schiller «Raum ist in der kleinsten Hütte, für ein glücklich liebendes Paar», trösten mich schon lang nicht mehr. 

Ich freue mich natürlich riesig und bin stolz auf uns, dass wir es mit viel Organisation hinbekommen haben „beide“ wieder im Schichtdienst zu arbeiten. Aber finanziell geht es uns dadurch nicht besser.  Denn zu unseren sonstigen Fixkosten, die wir geradeso immer bestreiten,  sind zusätzlich Fahr- und höhere Kitakosten gekommen. Wenn ich am Tag mal eine ruhige Minute habe, abends noch wach im Bett liege oder allein unterwegs bin, dann denke ich oft darüber nach, ob sich all der Stress wirklich lohnt damit wir beide eine Arbeit haben.

Es gibt diese neunmalklugen Menschen, die an dieser Stelle der Meinung sind: «Ihr habt es Euch ja selbst ausgesucht Kinder in die Welt zu setzen». Selbstverständlich haben wir uns das selbst ausgesucht und tragen dafür auch die volle Verantwortung – mit allen guten und schlechten Seiten. Ich möchte diesen Menschen aber auch sagen, dass sie niemals vergessen sollten, dass auch sie von unseren Kindern profitieren. Denn Kinder machen nicht nur krach! Sie schaffen Arbeitsplätze! Denn um sie herum ist eine wahnsinnige Industrie entstanden: Angefangen von Kleidung, Spielzeug, Presse, Süßigkeiten, Drogerie Artikel bis hin zu Familiencafes über In- und Outdoor Spielplätze und, und, und.      

Ok. Wir können leben und leisten uns sogar ein Auto. Aber für ein kleines Polster oder einen schönen Urlaub reicht es nicht. An Zahnarztkosten oder meinen Traum vom Eigenheim und meiner Selbstständigkeit möchte ich gar nicht denken.

Diese Gewissheit bringt mich oft an meine Grenzen, wo ich am liebsten alles hinschmeißen und sagen würde: leckt mich alle am Arsch. Ich geh nicht mehr arbeiten, sehe meine Mädels aufwachsen und mache das was mir Spaß macht. Dann aber sage ich mir, „ich will Vorbild für meine Kinder sein. Sie sollen aufwachsen und wissen das Arbeit zum Leben dazu gehört“. Für mich war es als Schüler auch immer selbstverständlich, dass ich nach der Schule einmal arbeiten werde. Denn ich kannte es gar nicht anders von meinen Eltern.

Und Arbeit macht natürlich auch Spaß, bringt soziale Kontakte, gibt einen Selbstvertrauen und das Gefühl gebraucht zu werden. Das ist mir sehr wichtig. Aber auch ein Punkt an dem ich gerade ganz schön zu knabbern habe. Denn ich spüre mehr und mehr dass ich mich in meinem Beruf, den ich nun schon seit ungefähr 14 Jahre ausübe, nicht mehr wohl fühle – auch wenn meine Arbeitgeber und das Team dufte sind. Hinzu kommt das in meiner Branche (Verkauf) ein sehr geringer Stundenlohn gezahlt wird. Nicht deshalb, weil mein Arbeitgeber nicht mehr zahlen möchte, sondern weil es ihm einfach nicht möglich ist. Man kann nicht mehr ausgeben als man zu Verfügung hat.

Als Vater einer Familie mit zwei Kindern kann man nicht mal eben sagen: Ich schmeiße hin und fange etwas Neues an. Das geht nicht. Denn man hat Fixkosten im Monat, die müssen bezahlt werden. Dieser Schritt möchte überlegt und gut geplant sein. Wenn das aber so einfach wäre, dann würden das bestimmt viele Eltern machen.

So fliegen derzeit meine Gedanken hin und her. Gerne würde ich meinen eigenen Laden und Online Shop eröffnen, doch hierfür fehlt Geld, Muße und Zeit. Ich könnte mich aber auch sehr gut als Erzieher in einem Kindergarten vorstellen oder als Sozialarbeiter, der Jugendliche betreut. Schön wäre auch die Vorstellung, dass  ich mit meinem Blog oder dem Schreiben Geld verdiene.

Ich werde mich entscheiden und die richtigen Weichen stellen müssen. Entweder bleibe ich stehen, mache so weiter wie bisher oder aber ich nehme meine Käfte zusammen und schlage neue Wege ein – der mit meinen Blog papiredetmit schon längst begonnen hat.

Ich möchte meiner Familie etwas bieten können. Ich möchte mich selbst verwirklichen. Ich möchte Spaß haben an dem was ich tue. Wer aber immer nur das macht, was er immer macht, wird nichts ändern. Ich werde also nicht stehen bleiben. Ich trette mir selbst in meinen Allerwertesten, gehe Schritt für Schritt weiter und schlage neue Wege ein. Ja… so mache ich es. 🙂

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

24 Kommentare

  1. Wir sind auch zwei Eltern ausm Schichtdienst. Ich komme Ursprünglich aus dem Buchhandel (Familienunfreundlich), dann Kino (supertoll aber Familienunfreundlich) und jetzt schule ich zur Tagesmutter um, denn keine KiTa hier ist mit unseren Arbeitszeiten (er Altenpfleger) vereinbar. Frustrierend das. Ich wäre gerne im Kino geblieben, aber…

  2. Hallo Christian,

    schön, dass wir nicht allein mit solchen Sorgen dastehen. Wir sind ja umgezogen Ende des Jahres, weil unsere 2 Zimmer Wohnung zu dritt nicht mehr gut war. Es war wirklich viel zu klein. Aber eine größere Wohnung, in Prenzlauer Berg, hat leider seinen Preis. Ich kann euch also vollkommen verstehen.

    Was ich auch ganz toll finde, du hälst an deinen Träumen fest und vermittelst deinen Kindern etwas ganz tolles. Arbeit lohnt sich immer. Und wenn es nur für einen selbst ist um rauszukommen, unter Leuten zu sein. Wie gern möchte ich das.

    Ich freue mich sehr für deine Maus, das sie eine neue Arbeitsstelle gefunden hat 🙂 Das macht mir Mut 🙂

    Ich wünsche euch noch einen zauberhaften Sonntag,

    liebe Grüße
    Mine

  3. Man man man du sprichst mir und meinem Mann aus der Seele! So geht es uns auch seit monaten, wir liegen lange wach, Falten unser leben hin und her und komme. Zu keinem wirklichen Ergebnis außer sich etwas ändern muss! In meinem Augen werden Familien bestraft mit allem was sie für die Kids tun, denn für alles wird Geld genommen!

    Echt toll geschrieben und toi toi ihr schafft das ich find euch klasse

  4. oh da werden wahre Worte gesprochen und so wie ich Dich kennenlernen dürfte, wirst Du den richtigen Weg gehen.Es ist nie einfach und auch wenn Dir Steine in den Weg gelegt werden solltest Du versuchen darüber zu springen, lachen und sagen: und den nächsten schaffe ich auch. Du hast das Glück eine tolle Familie zu haben die Dir den Rücken starken, ich wünsche Dir das Du es schaffst und irgendwann sagen kannst, genau so wollte ich es. Denn das ist es, was ein Leben ausmacht.Alles Gute Euch 🙂

  5. Es ist mal gut, solche Erfahrungen auch von anderen zu lesen. Meistens klingt das Blogger-Familienlieben so leicht und locker. Geldsorgen? Gibt’s nicht. Hat wohl keiner. Ganz ehrlich, ich habe wieder angefangen zu arbeiten. 30 Stunden. 30 Stunden die ich damit verbringe, mich mit anderen Kindern zu beschäftigen (mach ich gerne!!) und gleichzeitig denke ich darüber nach, ob es meiner eigenen Kleinen gerade gut geht. Und dann ist es wie du schreibst: die Fixkosten sind viel höher, letztendlich arbeite ich, um weniger zu haben als vorher. Sozusagen. Wir brauchen zwei Autos, Tagesmutter, Sprit…. Plopp – da bleibt auf einmal nichts mehr übrig. Erschreckend, ja.
    Ich habe Glück, dass ich zumindest einen Job mache, den ich liebe. Trotzdem gibt es genügend Träume, wie ich mich irgendwann mal selbst verwirklichen kann. Mit mehr Mut und Kohle. Deswegen bin ich sehr gespannt auf den Weg, den du wählst. Das scheint noch spannend zu werden! 🙂

    Liebe Grüße
    Tanja

  6. Lieber Chris! Ich muss Dich mal ganz doll loben,das hast Du prima geschrieben,Du hast es auf den Punkt gebracht.Einfach Klasse……mach weiter so.Lg Manuela

  7. Dein Beitrag hat mir sehr gut gefallen. Ich bin davon überzeugt, dass Du auf dem richtigen Weg bist und auch die richtige Entscheidung triffst, Du bist ein Kämpfer. Sich mit sich selbst und seinen täglichen Problemen und Herausforderungen zu beschäftigen und den Mut haben neue Wege einzuschlagen ist nicht einfach. Kleine abrechenbare Ziele setzen, Schritt für Schritt vorwärts gehen und zu erkennen, ich muss und will etwas ändern und bleibe am Ball ist schon ein großer Gewinn. Allein Dein Blog macht soviel Freude zu lesen, man kann oft schmunzeln, erkennt sich auch in vielen Situationen selbst wieder, wie es einem früher auch ergangen ist. Drücke für Dich und Deine kleine Familie ganz fest die Daumen.

  8. Lieber Christian, so ähnlich sahen meine Gedanken vor 2 Jahren auch aus. Und nun mache ich eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin in Vollzeit – nicht immer preiswert, aber es lohnt. Da „die Sache mit dem Geld“ sich aber nun ein Mal nicht so leicht ignorieren lässt, kann ich Dir nur den Tipp geben, Dich über eine Teilzeit-Ausbildung zu informieren, wenn das wirklich Deinen Vorstellungen entspricht. Man ist über einen Träger (Stadt, AWO, etc.) angestellt und hat – z.b. wie in Frankfurt – 2 Tage in der Woche Berufsschule und geht 3 Tage in einer Einrichtung arbeiten. Der Vorteil: Man bekommt ähnliches Gehalt wie ein staatlich anerkannter Erzieher.

    Liebe Grüße und Dir und Deiner Familie weiterhin alles Gute.
    Franzi

    • Hi Franzi, ich habe mich für eine Teilzeitausbildung entschieden. Bewerbungen sind alle raus. Jetzt steht erst einmal ein Praktikum an, was ich an meinen freien Tagen mache. Bin mega mäßig gespannt was mich erwartet.

      Danke für Deinen Tipp!!!

      lg. Christian

  9. Hallo,
    ich lese meist nur, weil ich zum Kommentieren oft zu müde bin.
    Danke, daß Du auch mal schreibst, daß nicht alles rosarot ist. Die Supermami-Livestyle-Blogger Wohnwelt mag ihre Berechtigung haben, bildet aber nur einen winzigen Bruchteil des realen Lebens ab.
    Ich habe drei kleine Kinder und möchte wieder arbeiten gehen. Seit vielen Jahren laufe ich als Freelancer durchs Leben und hangle mich von Auftrag zu Auftrag, arbeite meistens frühmorgens oder nachts. Das zehrt an der Substanz. Aber man braucht bei aller Liebe für die Familie auch etwas ganz Anderes, sonst verliert man irgendwie sich selbst. Am liebsten würde ich 20h arbeiten und die Hälfte davon im Homeoffice. Aber höchste Priorität hat die Betreuung der Kinder. Und meine 2 1/2 Jährige hat noch keinen KitaPlatz. Also heißt es ausharren und auf das Eine oder Andere zu verzichten.
    Aber so lange man sich darüber bewußt ist, daß alles nur Phasen sind, und man daran glaubt, daß auch wieder andere Zeiten kommen ist das (für mich) durchzuhalten.
    Ich verstehe aber durchaus Deine Klagen über Schichtdienst und schlechte Arbeitsbedingungen. Die fehlend Wertschätzung kann ganz schön erdrückend sein.
    Ich wünsche Dir viel Kraft die -für Dich- richtige Entscheidung zu treffen. Frei nach dem Motto „Am Ende wird alles gut. Ist es noch nicht gut, dann ist das noch nicht das Ende“.

    Liebe Grüße
    Suse

    • Hi Suse, ich wünsche Dir auch alles Gute auf Deinem Weg. Du scheinst eine starke Mama zu sein und Du wirst das schaffen.

      Ganz liebe Grüße, Christian

  10. Puuuh…
    Es ist immer gut zu wissen das es anderen auch so geht.
    Ich bin derzeit noch zu Hause und mein Mann ist alleinverdiener.
    Also Koch und derzeit echt in einem bescheidenen laden sieht es da momentan auch nicht so rosig aus. überall wird gespart und naja… es ist nicht immer einfach.
    Wohntechnisch ist es auf dem Lande natürlich günstiger als im wilden großen TEUREN Berlin! Sone kleine Wohnung ist schon fies :/

    Ich finde es klasse das ihr eure träume nicht aus den augen verliert.
    Hier ist es auch so….
    Angefangen mit einem klitzekleinen Auto, bis hin zu einem Eigenheim und vielleicht der Selbstständigkeit mit einem kleinen aber sehr feinen Restaurant.
    Achja – TRÄUME MUSS MAN HABEN !!!!!!!!!!!!

  11. Hallo Christian,

    ich kann soooo dermaßen mitfühlen, wie es euch in dieser Hinsicht ergeht!!
    Denn auch bei uns ist es so schwierig, finanziell über die Runden zu kommen. Zur Zeit wohnen wir bei den Schwiegereltern im Haus, da wir uns keine Wohnung leisten können. PüppilottaPapa ist derzeit eine Ausbildung zum Ergotherapeuten am machen. Und ich bin in der Elternzeit, und über das Elterngeld brauche ich an dieser Stelle ja nichts zu schreiben^^
    Es ist so furchtbar mit den vielen Menschen im Haus, dass meine Nerven schon nicht mehr wirklich existieren, da ist Mobbing, und ständige Beobachtung der Schwiegermutter. Und eine Wohnung ist nicht drin, da wir schon ohne diese Belastung kaum auskommen.
    Wenn ich demnächst wieder arbeiten gehe, reicht mein Gehalt exakt für die Fahrtkosten und den Kindergarten.
    Schade, denn ein wenig mehr Lebensqualität wäre schon sehr nett.
    Und wie du sagtest: Von unseren Träumen haben wir uns innerlich zum Großteil verabschiedet. Das war halt die Wahl: Kinderglück oder Luxusleben.

    • Das hört sich ja nicht so rosig an. Es kommen bessere Zeiten. Nicht aufgeben, Köpfchen hoch und weitermachen bzw. es anders machen. 🙂

      lg. Christian

  12. Hallo Chris,

    ich bin Papa von 3 jungs, das mädchen erwarten wir im Dezember. Ich verstehe dich total und teile deine Ansicht voll und ganz. Das schlimme an der ganzen Sache ist das es nicht nur Einzelfälle sind sondern schon die Regel. Wer kann sich denn heutzutage schon Kinder leisten, wenn er auch vernünftiges Geld verdienen will? Eher die Minderheit denen es finanzielk prä

  13. Finanziell prächtig geht sollte das werden, aber mein telefon wollte nicht so wie ich.

    herzlich lade ich dich ein mal einen blick auf unseren blog zu werfen.
    http://www.wolkenllos.blogspot.com

    Auf bald

  14. Hi was für einen online-shop würdest du machen?

    • Hallo Jana,

      ich würde am liebsten hochwertiges Holzspielzeug und Spielzeug das mich – und bestimmt auch andere Eltern – an meine eigene Kindheit erinnert anbieten. Sowie gut ausgewählte Kinderbücher und Kinderspiele, die auch die Erwachsenen noch kennen. Ja, so etwas in der Richtung. Ich würde alles selber mit meinen Kindern testen und zu jedem Artikel eine schöne Artikelbeschreibung machen. Es geht mir nicht um Masse, sondern um bezahlbare Klasse.

      lg. Christian

      P.S. Jetzt starte ich demnächst aber erst einmal mit einer Ausbildung zum Erzieher. Nebenbei möchte ich aber gern den Shop aufbauen.

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