Ein vierfacher Vater und Erzieher über Familie, Erziehung, Träume & Karriere, Kindheitserinnerungen, Do it Yourself

Ich tanke Sonne und lass die Seele baumeln.

Zeit für Eingeständnisse – Wie läuft meine Ausbildung zum Erzieher?

| 1 Kommentar

Wie die meisten von Euch ja wissen, habe ich mich nach 14 Jahren Verkäufer-Dasein, vor knapp einem Jahr, für die Ausbildung zum Erzieher entschieden. Für mich ist es jetzt an der Zeit für eine kleine Reflexion und ein paar Eingeständnisse. Kassensturz sozusagen, um zu sehen wo ich stehe.

Mir war klar, dass der Beruf des Erziehers viel von mir abverlangen wird.

Aber ich dachte mir, «Du willst das und schaffst das». Wäre aber auch schön blöd, wenn ich anders an die Geschichte heran gegangen wäre. Oder?

Ich wusste, es wird viel Neues auf mich zu kommen und ich werde mich weiterentwickeln müssen. Dass es aber ein ganz schön hartes Stück Brot wird, damit hatte ich nicht gerechnet.

Gestern erst hätte ich an Ort und Stelle vor meinem Papierstapel für die nächsten Klausur Vorbereitungen heulen können. Habe ich nicht. Keine Sorge. Manchmal ist aber auch mir Alles zu viel: Familie, Arbeiten, Schule, an den Wochenenden pauken, Freunde, Wohnungssuche, … .  Aber dann denke ich mir, «ich packe doch wieder irgendwie Alles und stehe dann glücklicher als zu vor da». Vielleicht bin ich auch ein Mensch, der diesen Ars… voll Arbeit braucht. Dass soll es ja geben.

Ich war es als Verkäufer bisher gewohnt,…

dass ich auf Arbeit komme, mich an die Kasse stelle, Kunden/innen bediene, leer gekaufte Regale auffülle, meine Arbeit halt wie jeden Tag tue und nach getaner Arbeit nach Hause gehe und abschalte. Dafür brauchte es nicht viel Eigeninitiative, Organisation oder Aufmerksamkeit. Auf jeden Fall hat es auch ohne immer ganz gut funktioniert.

Als Erzieher muss ich voll bei der Sache sein.

Die Arbeit mit Kleinkindern bedarf viel Aufmerksamkeit, so dass die Sicherheit der Kleinen  (ich arbeite zu Zeit mit Kindern von 1 bis 3 Jahren) gewährleistet ist und man auf deren Bedürfnisse und Probleme richtig reagieren kann. Dafür braucht man einen freien Kopf und Konzentration. Dass Alles ist Nichts, was man mal ebenso nebenbei erledigt, wenn man der Verantwortung Rechnung tragen will.

Zum Glück kann ich inzwischen gut meinen Alltag auf Arbeit ausblenden…

und mich voll und ganz den Kindern und meinen Aufgaben widmen. Dass habe ich als Verkäufer nie wirklich geschafft. Immer hat es nebenbei in meinem Kopf rumort.

Vielleicht lag es auch daran, dass ich immer noch genügend Lücken zum abschweifen und träumen fand und mir die Arbeit nicht wirklich ins Blut übergegangen war. 🙂 Ich weiß es nicht.

Dass ist jetzt anders. Ich fühle mich wohl und bin von Anfang bis Ende ausgelastet und beschäftigt. Und die Zeit in der Kita verfliegt in Windeseile, dass kann ich Euch sagen.

Durch mogeln ist nicht drin.

Und dass will ich auch nicht. Die Arbeit als Erzieher erfordert von mir viel mehr Eigeninitiative und Organisation als ich es in meinem bisherigen Berufsleben gewohnt war: Besprechungen, Kita-Feste, Elternabende, Erstgespräche, Reflexionsgspräche, Entwicklungsgespräche, AGS, Spachlerntagebücher, Fotowände, Elterninfos… .

Hier ist viel Eigeninitiative und Organisation gefordert.  Eine gute Schule für mich. Denn ich bin manchmal auch ein kleiner Organisation-Chaot. Dass ist inzwischen viel besser geworden. 🙂

Es gibt auch Niemanden, der mit einem das ganze Repertoire an Fingerspielen, Liedern, Kreisspielen, Tischsprüchen, … paukt, dass man für den Alltag in der Kita braucht. Auch hier ist jeder Erzieher selbst gefordert sich zu bilden.

Kein Tag gleicht dem Anderen.

Jeder Tag hält immer wieder neue Herausforderungen für mich bereit. Dass bedeutet flexibel sein und sich immer wieder auf neue Situationen einstellen. Also immer schön bei der Sache sein.

Auf dem Weg zu Arbeit oder Daheim reflektiert man oft noch Situationen, wo Kinder es nicht so leicht in der Kita hatten und wie man diese für das Kind besser gestalten kann. Oder man denkt darüber nach, wie man positive Entwicklungen noch weiter bestärken kann.

Abschalten nach der Arbeit ist also gar nicht immer sooo einfach. Aber auch nicht weiter tragisch. Denn glückliche Kinder sind Entschädigung genug.

Die Ruhe, die in mir wohnt,…

scheint mir als Erzieher zu Gute zu kommen. Denn ich spüre, dass die Kinder sich in einer ruhigen, ausgeglichenen und geduldigen Athmosphäre, die ihnen Zeit für ihr eigenes Tempo und ihre Bedürfnisse lässt, sich wohl fühlen.

Dass ich die Ruhe weg habe, dass brachte mir schon auf früheren Arbeitsstellen den Zweitnamen „Ruhepol“ ein und gipfelte in der Äußerung einer Erzieher-Kollegin: «Sie möchte auch gern etwas von den Drogen haben, die ich nehme». 🙂 🙂 🙂 Ich nehme natürlich keine Drogen. Okay,  ab und an gönne ich mir mal ein oder zwei Bier am Abend. 🙂

Auf die Frage „Wechselst du die Windeln“ fühlt man sich als Mann in der Gegenwart von anderen Männern…

irgendwie verpflichtet zu antworten, «Windel wechseln, nein danke». Ehrlich gesagt, Windel wechseln stört mich überhaupt nicht. Dass kenne ich ja von daheim nur zu gut. 🙂

Was ich sogar total interessant an Pflegesituationen, wie das Wickeln, finde, dass in diesen viel Potenzial für Kleinkinder steckt, um ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und sie zu fördern.

Aber ich bin ganz ehrlich, manchmal komme ich mir als Mann schon komisch vor, dass ich mit Windel wechseln und Co gar keine Probleme habe.

Kleinkind Geschrei stört mich auch nicht wirklich.

Okay, es kommt natürlich auf die Lautstärke und die Dauer an. 🙂 Aber ich glaube, ich kann da eine ganze Menge ab.

Ich erinnere mich noch ganz gut an die Zeit, wo unsere erste Tochter nicht allein in ihrem Bettchen schlafen wollte. Ich saß knapp zwei Wochen allabendlich unter der vollen Dröhnung „Baby Geschrei“ am Bett unserer Tochter, streichelte sie und sang den Klassiker „Schlaf, Kindlein, schlaf“. Immer wieder und wieder. Nach zwei Wochen schlief sie seelenruhig in ihrem eigenen Bettchen ruhig ein. Die Geduld hatte sich gelohnt.

Ich war quasi aber auch verpflichtet dieses Opfer zu bringen, hatte ich sie vorher auch die ganze Zeit auf meiner Brust schlaffen lassen. Dass war einfach zu schön. 🙂

Ich arbeite jetzt seid einiger Zeit im Kleinkindbereich nach dem pädagogischen Ansatz von Emmi Pikler

und bin begeistert von dessen positiven Auswirkungen auf die Kinder. Über meine Erfahrungen mit der Pädagogik von Emmi Pikler möchte ich Euch demnächst noch berichten, da ich diese auch für die häusliche Erziehung sehr wertvoll und bereichernd finde.

Wenn ich die Zeit zurück drehen könnte, dann würde ich mich wieder für den selben Schritt entscheiden. Egal wie schwer sich die Ausbildung mit meinem Leben vereinen lässt, mir macht sie mega viel Spaß und ich zieh das Ding durch. Schaka. 

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

Ein Kommentar

  1. Hallo Chris,
    es sind diese Beiträge wie deiner, die mir momentan Mut und Kraft geben. Ich bin 31 Jahre alt und werde diesen Sommer eine Teilzeit-Ausbildung zum Erzieher beginnen. Die vergangenen 12 Jahre (mein gesamtes Berufsleben) habe ich in der IT gearbeitet. Durch meine zwei Töchter haben sich meine Interessen verschoben und ich habe vor vielen Monaten den Entschluss gefasst, Erzieher zu werden. Meine letzten 8 Wochen im alten Job liegen nun vor mir, seitens Kita und Schule ist alles geklärt. Immer wieder kommen Zweifel hoch und ich bin unsicher, ob ich (nach nur zwei Wochen Praktikum im vergangenen Jahr) wirklich die richtige Entscheidung getroffen habe. Aber wie gesagt, Texte wie deiner machen mir Mut – und wer nicht wagt… Ich bin schon sehr gespannt, wie mein Résumé in einem Jahr aussehen wird.
    Viele Grüße, Frederick

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