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papi redet mit, nachts ohne windel

Teil 2: Mission „Nachts ohne Windel“ – Ein Erfahrungsbericht und Tipps

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Mit dreieinhalb Jahren will unsere Tochter Nachts keine Windel mehr tragen. Die Freude ist groß, doch die Ernüchterung lässt nicht lange auf sich warten: Trocken bleibt ihr Bettchen nicht. Und auch unser nicht.

papi redet mit, nachts ohne windel

Zwei Wochen durchhalten.

Als unsere Tochter Nachts keine Windel mehr tragen will, da ist zeitgleich ein Freund von mir dabei seiner vierjährigen Tochter erfolgreich Nachts die Windel abzunehmen. Ab und an hatte diese bis dahin bereits die Nacht mit Windel trocken überstanden.

Er hatte sich belesen und meinte voller Überzeugung zu mir, «wenn ihr bei eurer Tochter Nachts anfangt die Windel wegzulassen, dann dürft ihr keinen Rückzieher machen, auch wenn sie öfter ins Bett macht. Ihr müsst nur zwei Wochen durchhalten, dann wird sie trocken sein. «Keinen Rückzieher machen», dass hörte sich für mich folgerichtig an. Denn sonst würde das Kind ja wieder einen Schritt zurück machen. Und dass auch einmal etwas daneben geht, dass ist erst recht nicht schlimm. Kinder lernen ja durch Erfahrung. Aber ich gebe zu, ich dachte mir auch, «du hast gut reden».

Heute weiß ich, dass die Weisheit meines Freundes nur die halbe Wahrheit ist. Klar, Kinder lernen durch Erfahrung, aber inzwischen weiß ich, Kinder müssen erst einen Reifeprozess erreichen, der ihnen signalisiert: Du musst auf Toilette. Und diesen kann man nicht beschleunigen. Das haben wir am eigenen Leibe erlebt. Und Kinder entwickeln sich oft völlig verschieden, auch wenn die Erziehung die selbe ist. Dass sehe ich bei meinen zwei Mädels, die sich völlig unterschiedlich entwickelt haben, obwohl sie unter den selben Bedingungen aufwachsen. Da gibt es nicht diesen einen Weg.

  • Mein Fazit: Ich würde bei einem Kind Nachts erst die Windel weglassen, wenn es bereits ein paar Nächte trocken überstanden hat – ca 7-10 Tage. Oder wenn es von allein signalisiert, dass es diesen Schritt gehen will. Denn ein Kind lernt am besten, wenn es mit Spaß dabei ist und aus der eigenen Erfahrung bzw der Selbstständigkeit heraus lernt. Daher nicht unter Zwang und Druck. Sollte das Kind sich überhaupt nicht in der Nacht von der Windel trennen wollen, dann bitte nicht unruhig werden. Alles braucht seine Zeit. Und es gibt ein altes weises Sprichwort: Gut Ding will Weile haben. Ich würde dann einfach zwischen vier bis fünf Jahren immer mal wieder bei dem Kind das Interesse für das Schlafen ohne Windel wecken. Dass kann durch Lob oder positives Zureden geschehen und natürlich durch Geschichten oder Bücher, wie folgendes, gestärkt werden: Caillou braucht keine Windel mehr*.

Es stank uns bis zum Himmel.

Mit dreieinhalb Jahren wollte also unsere Tochter Nachts keine Windel mehr tragen. Und dass obwohl sie immer noch in die Windel machte.

Wir glauben an unsere Tochter und haben den Schritt gewagt. Wir waren uns aber auch im klaren, dass wenn wir diesen Schritt gehen, dann müssen wir dran bleiben.

Zwei Wochen hat unsere Tochter jeden Tag in ihr Bettchen gemacht. Es stank uns bis zum Himmel. Denn für uns hieß dass in der Konsequenz, dass wir jede Nacht von unserer heulenden Tochter geweckt wurden und ihr Bett neu beziehen konnten. Wir wussten irgendwann überhaupt nicht mehr, wo wir die Bettwäsche noch trocknen sollten. Unsere beiden Wäscheständer und alle Türen der Wohnung waren voll mit Wäsche behangen. Dass hat alles andere als Spaß gemacht.

Wir entschlossen uns dafür unsere Tochter wieder eine Windel umzumachen. Dass war aber gar nicht so leicht. Sie wollte keine Windel mehr tragen. Wir ließen sie daher immer erst ohne Windel einschlafen und haben ihr dann eine Windel umgemacht. Für uns war dass kein Schritt zurück. Denn wir blieben am Ball:

Wir lobten sie Morgens immer, wenn sie nicht in die Windel gemacht hatte. Und dann freute sie sich. Hatte sie aber doch eingemacht, dann war das für uns nie ein Weltuntergang und wir bestärkten sie darin, dass sie es beim nächsten Mal schaffen würde. Es wurde von Mal zu Mal besser. 🙂 Doch es gab auch wieder Rückschläge.

  • Mein Fazit: Ein Problem kennt nicht nur eine Lösung. Wichtig aber ist, dass man am Ball bleibt. Wenn ein Kind positiv bestärkt wird, dann stellt sich der Erfolg über kurz oder lang von selber ein. Davon bin ich überzeugt. Ich würde auf jeden Fall aber davon abraten, dass Kind auszuschimpfen, wenn es in die Windel oder das Bett gemacht hat. Das wirkt eher destabilisierend und kann genau das Gegenteil bewirken. Dass zeigt die Geschichte viele Bettnässer.

Wir trugen unsere Tochter Nachts im Halbschlaf auf die Toilette.

Inzwischen blieb nun Nachts die Windel unserer Tochter immer öfter trocken. Wir entschlossen uns dafür die Windel abzulassen. Leider kam es ab und an wieder vor, dass sie in ihr Bett gemacht hat. Dass lag vor allem an ihrem tiefen Schlaf.

Es ist schon allein ein Krampf sie früh Morgens für die Kita zu wecken. Wie sollte sie da in der Nacht wach werden, wenn sie eine volle Blase hat.

Da sie vor dem Einschlaffen meist nicht auf Toilette muss, haben wir versucht sie nach ein bis zwei Stunden Schlaf auf Toilette zu setzen. Mit Erfolg. Und sie blieb trocken.

Ich weiß, viele raten davon ab, Kinder in der Nacht zu wecken und auf die Toilette zu setzen. Denn Schlaf ist wichtig. Dass wissen wir Erwachsene aus eigener Erfahrung auch. Und es ist ja auch nicht gerade die feine Art. Man selbst möchte ja auch nicht aus dem Schlaf gerissen und auf Toilette gesetzt werden. Bei unserer Tochter hat es aber geholfen und sie hat nie herum gequengelt.

Ich erinnere mich auch noch gut an meine eigene Kindheit. Ich muss immer so fest geschlafen haben, dass ich geträumt habe ich sitze auf Klo. Schlummernd habe ich dann ganz befreiend und gemütlich ins Bett gemacht. Irgendwann bin ich dann im nassen Bettchen aufgewacht. Und dass war nicht schön. Doch heute bin auch ich trocken. 🙂

  • Mein Fazit: Kinder können nichts für ihren Tiefschlaf. Ich würde das Kind trösten, aufmuntern und nicht aufgeben.

Hilfreiche Tipps:

Ein Matratzenschoner* schützt die gute Matratze, wenn mal etwas im Bettchen daneben geht.

Vor dem Schlafen die Kinder noch einmal auf die Toilette gehen lassen.

Am Abend nicht mehr so viel zu Trinken geben. Stattdessen auf eine ausreichende und gut verteilte Trinkmenge am Tag achten.

Wenn das Kind in der Nacht 7 bis 10 Tage trocken bleibt, es sich aber nicht von der Windel trennen mag, dann kann man folgendes probieren: Mit dem Kind gemeinsam das letzte Windelpaket kaufen und jeden Tag zusammen schauen wie die Windel weniger werden. Wenn die letzte Windel aufgebraucht ist, dann dem Kind sagen, dass es jetzt keine Windel mehr braucht.

  • Mein Fazit: Egal wie Ihr es anpackt, bitte gebt Euren Kindern die Zeit die sie brauchen. Es bedrückt mich immer wieder, wenn ich sehe oder höre, wie Eltern nicht ihr Kind in den Focus stellen, sondern Ihr Bild vom Kind als Richtwert nehmen. Ob dies dem eigenen Kind gut tut oder nicht, dass interessiert scheinbar nicht. Hauptsache das eigene Kind funktioniert wie ein Aufziehpüpchen und macht alles schön brav wie es Mama oder Papa sagt. Umso betroffener machte es mich, als ich einer Erzieherin freudig erzähle, «meine Tochter braucht mit fast vier Jahren Nachts keine Windel mehr. Sie meinte nur, «aber ganz schön spät». Ohne Worte.

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Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

3 Kommentare

  1. Meine Tochter wollte auch mit 3,5 Jahren nachts keine Windel mehr anziehen. Ich sagte ihr, dass sie selbst entscheiden darf, ob sie eine anziehen mag oder nicht. Gleich in der ersten Nacht ging es daneben und sie fand das schrecklich. Am nächsten Abend zog sie von sich aus eine Windel an. Sie wechselte je nach Belieben: Mal mit mal ohne Windel schlafen. Ich ließ sie das selbständig machen. „Nur keinen Rückzieher machen“ daran habe ich mich nicht gehalten, weil ich sie es selbständig hab entscheiden lassen. Wenn sie ohne Windel schlief und was daneben ging, dann wechselten wir Nachts ohne viele Worte alles und wenn sie trocken war (mit oder ohne Windel an) freuten wir uns mit ihr. Irgendwann nach ein paar Wochen schlief sie nur noch mit Unterhosen und packte ihre Windeln alle weg mit den Worten „Die brauche ich jetzt gar nicht mehr“. Seitdem gab es keinen Unfall mehr :-).
    Einen Tipp noch für das nächtliche Wäschewechseln – so ging es bei uns schneller:
    http://kleinwirdgross.wordpress.com/2013/10/17/tipp-einnaessen-nachts/

    LG
    Petra

  2. ich suchte ein Angelspiel und stieß auf den Artikel: Nachts ohne Windel“ Erfahrung macht klug, kann ich da nur sagen. Meine Tochter wechselt auch ständig die Bettwäsche bei 4 jähriger Tochter, weil Kind ohne Windel will…Jo würde ich sagen, muss sie durch wenn sie das so will. Schön, das es auch Eltern gibt, die auch mal wieder einen Rückzieher machen. Und schön, das dass ein Mann schreibt.

    Liebe Grüße Oma C

    • Hallo Cornelia,

      so schnell geht das…vom Angespiel zum Windelfrei. Lach. 🙂 Danke für Deine Meinung.

      Liebe Grüße, Christian

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