Ein vierfacher Vater und Erzieher über Familie, Erziehung, Träume & Karriere, Kindheitserinnerungen, Do it Yourself

Ich (1988)

Westberlin war sooo bunt – Wie ich den Mauerfall als kleines Kind erlebte

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Der dritte Oktober neigt sich dem Ende. Der Tag der deutschen Einheit. Nach einem schönen Tag, bei wundervollem Sonnenschein im Freien, sitze ich noch spät abends bei einem Tässchen heißer Milch mit Honig allein im Wohnzimmer. Die Flimmerkiste ist kaputt. Es ist still. Ich brüte über meine Schulunterlagen. Klausuren und Referate stehen an. Ich schweife mal wieder ab und fasse aus heiterem Himmel den Entschluss, endlich einmal meine Erinnerungen an den Mauerfall fest zu halten. Passt ja irgendwie auch zum dritten Oktober.

Ich war gerade erst 7 Jahre alt, als Menschenmassen an allen Übergängen die Öffnung der Grenzen von Ost- nach Westberlin bewirkten. Ich habe von all diesem nichts mitbekommen. Als die Grenzen offen waren, fuhren mein Vater, meine Mutter, meine Schwester und ich mit dem Trabant nach Westberlin. An der Grenze holten wir uns erst einmal Begrüßungsgeld. In Westberlin angekommen, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Alles war so bunt und hat geleuchtet. Ganz anders wie bei uns. In der Dunkelheit sah dass großartig aus. Für einen kleinen Kerl wie mich unvergesslich. Unvergesslich.

Und ich erinnere mich noch gut, dass mir meine Eltern mein erstes Überraschungsei und ein Battman Auto kauften. So etwas gab es bei uns nicht. Meine Schwester kaufte sich so ein riesen Teil von Ghetoblaster, den ich später von ihr erben dürfte. Irgendwann ist dieser kaputt gegangen und leider auf dem Müll gelandet.

Was mich am nachhaltigsten an unserer Fahrt in den Westen beeindruckte, dass war die Heimreise. Zwischen Menschenmassen tuckelten die vielen Trabies in einer Schlange hintereinander im Schneckentempo wieder von West nach Ost. Und die Westberliner feierten, strahlten und klopften auf die Trabies, so wie man einen guten Freund auf die Schulter klopft, wenn man ihm sagen möchte, schön dass du da bist und es dich gibt. Sie riefen immer wieder, «kommt bald wieder». Für mich als kleiner Junge waren diese Augenblicke unglaublich und riesengroß. Und das war es auch. Es war ein riesen Ding.

Ich habe als Kind nie mitbekommen, dass Deutschland geteilt war… dass Ost- und Westberlin durch eine Mauer getrennt waren.  Mir ging es gut und es fehlte mir an nichts. Es ging mir sogar sehr gut. Die Vorstellung aber, dass Menschen, Familien oder Freunde durch eine Mauer getrennt und eingesperrt werden, finde ich schrecklich. Und ich wünsche mir, dass endlich auch die letzten Wunden dieser Trennung heilen und die Zweifler und Nörgler der Einheit ihre Wut, Enttäuschung… niederlegen und sich über die gefallenen Mauern und vereinten Familien freuen.

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

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