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papi redet mit, spielen im freien

Verhaltensprobleme – Kinder brauchen Regeln (Teil 1)

| 4 Kommentare

Unsere Lotti (2,5) entwickelt seit einiger Zeit die große Vorliebe uns auf die Probe zu stellen und ihre Grenzen auszutesten. Sie macht vor allem das gern wozu wir „nein“ sagen. Verbieten wir ihr etwas, dann schaut sie uns an, setzt ein schelmisches, breites Grinsen auf und macht mit Herzenslust das, was sie nicht machen soll. 🙂  

Sie macht das mit einer derart süßen Art und Weise, dass es uns schwer fällt konsequent zu bleiben und die Kontrolle über diese kleinen Machtspielchen zu gewinnen. Meine Frau und ich sind uns aber einig: Wir müssen Lotti Grenzen setzen und dabei konsequent sein. Denn an Liebe, Geduld oder Kommunikation fehlt es ihr auf jeden Fall nicht. Ich weiß wir schaffen das. Es ist nur ein hartes Stück Brot und wird uns noch viele Nerven kosten.

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Zufällig sah ich vor einigen Tagen in einem Secondhandgeschäft das Buch „Ohne Regeln geht es nicht“ von Harris Clemes und Reynold Bean und kaufte es mir. Folgende Zeilen blieben mir gleich am Anfang des Buches in meinem Köpfchen kleben:

«Ein Kind mit ernsthaften Verhaltensproblemen hat nicht notwendigerweise ein tiefsitzendes emotionales Problem. Viel häufiger werden Kinder zu einem „Problem“, weil das soziale System, in dem sie leben, versagt. Ihr Verhalten ist eine Reaktion auf die Art und Weise, wie ihre Umwelt mit ihnen umgeht

Der Autor des Buches spielt darauf an, dass es in vielen Familien zu Problemen kommt, wenn Eltern sich ihren Kindern gegenüber nicht „konsequent“ verhalten, keine Grenzen setzen und Erziehung nicht ernst nehmen. Seine Kernaussage ist: Kinder brauchen Regeln! Das Buch erschien 1995. Und es erscheint mir aktueller denn je. Denn vielen Eltern fällt es heute schwer ihrem Kind Grenzen aufzuzeigen und konsequent zu sein. Sie sind oft unsicher, inkonsequent und probieren stets etwas Neues in der Erziehung aus. Auch wir gehören ein Stück weit zu dieser Gruppe.

Das Kind braucht aber Grenzen bzw Regeln, da es sonst keine Orientierung hat. Und wie soll das Kind Verantwortung übernehmen lernen, wenn es keine Konsequenzen tragen muss!?

Dem Kind nicht die Schuld geben

Zu erst einmal glaube ich fest daran, dass nicht das Kind der Schuldige oder gar Böse ist, wenn es nicht so will wie seine Eltern, Erzieher oder Lehrer. 

Das Problemverhalten rührt viel öfter daher, dass in Familien oder im sozialen Umfeld, wie Kindergarten, Schule oder Freundeskreis, die Strukturen fehlen, die dem Kind Regeln, Sicherheit, Orientierung und Kontinuität bieten. Nur mit dieser Struktur können Kinder aber Regeln einer Gemeinschaft erkennen und einhalten.

Die eigene Persönlichkeit des Kindes beachten

Unsere Kinder kommen mit vielen Fähigkeiten auf die Welt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie wissen was gut oder schlecht in ihrer Gemeinschaft ist und warum das so ist. Das ist ein langer Erfahrungs- und Lernprozess, der viel Geduld, Selbstreflexion und Kontinuität bedarf.

Kinder sind darüber hinaus auch ganz eigen entwickelte Persönlichkeiten. Da ist es ist doch das Normalste der Welt, dass sie ihren eigenen Kopf durchsetzen wollen. Und das ist auch gut so! Oder wollen wir Aufziehpüpchen ohne Persönlichkeiten als Kinder haben, die nur machen was wir wollen? Ich hoffe nicht! Also immer ruhig mit den Pferden. Alles braucht seine Zeit.

Ein Kind ist kein Erwachsener und braucht Zeit für seine Entwicklung

Die sozial-emotionale Entwicklung eines Kindes ist mit einem Jahr eine andere als mit drei oder sechs Jahren. Ein Kind muss erst einmal lernen sich als Teil einer Gruppe zu sehen, sich selbst zurück zu nehmen und sich nach Anderen zu richten.

Noch schwerer ist es sich in die Anderen hinein zu fühlen.

Daher mache ich mir auch keine Sorgen, wenn Lotti ihre Grenzen austestet. Aber ich weiß, wir müssen ihr dennoch Grenzen setzen, konsequent sein und viel mit ihr reden.

Der „Teil 2“ von „Kinder brauchen Regeln“ folgt in Kürze.

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

4 Kommentare

  1. Hallo lieber Christian,

    vielen Dank für Deinen interessanten Artikel! Ich glaube, die „Regel“-Debatte bekommt gerade wieder neuen Fahrtwind. Das finde ich gut, denn mit diesem Thema setzen wir uns auch gerade intensiv auseinander. Unser kleiner Rabauke probiert z.B. beim Essen aus, was er so alles darf und was wir (nicht) mitmachen…
    Mamahoch2 hat sich auch mit dem Thema befasst: http://www.mamahoch2.de/2015/03/ein-leben-ohne-regeln-kann-diese-erziehung-wirklich-funktionieren.html.

    Viele liebe Grüße

    Küstenmami

  2. Ohhh DANKE für den Link, da schau ich gleich einmal vorbei. 🙂

    Liebe Grüße, Christian

  3. Ein toller Artikel!
    Ich sehe es ganz genauso, auch wenn immer wieder darüber debattiert wird, ob Regeln so sinnvoll sind.
    Meine ganz persönliche Erfahrung ist eben, dass es in jedem Fall sinnvoll ist. Meine Große ist jetzt 10 Jahre alt. Sicherlich war ich nicht immer zu 100%ig konsequent (Stichwort Überzeugungskraft des Nachwuchses und die „besseren Argumente“), aber alles in allem gibt es bei uns einen festen Rahmen, Regeln und Dinge, auf die sich die Tochter verlassen kann. Im Umkehrschluss können auch Abmachungen zu Ausnahmen getroffen werden, ohne dass die Grundregeln erschüttert werden. Die Tochter ist sicherlich nicht das perfekte Kind (gibt es das? Ahahahahaha.), aber ich bin doch ganz froh, wie sie bislang geraten ist. Mit den ganzen Ecken und Kanten, die dazu gehören. Und ich glaube, dass das eben dem festen Rahmen, den Grenzen, den Konsequenzen und Regeln geschuldet ist, die sie erleben durfte.
    Nun bin ich gespannt, wie Kind 2 so wird und wie das zu managen wird 🙂

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

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