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Wann soll ich mein Kind in die Kita geben – soll ich überhaupt?

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Jeder der ein Kind hat und Geld verdienen muss, der hat sich bestimmt wie wir auch die Frage gestellt: Ist es okay, wenn ich mein Kind mit zehn, elf, … oder zwölf Monate in die Kita gebe? Oder ist es doch besser, wenn ich damit bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr warte?

Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahre werden immer gefragter

Durch die gesellschaftliche Entwicklung, viele Eltern müssen oder wollen nach der Geburt ihres Kindes früh arbeiten gehen, sind in den letzten Jahrzehnten Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahre zunehmend nachgefragt. Doch einige Eltern geraten dadurch in schwierige Gewissenskonflikte, weil sie denken das dies nicht gut für die Bindung zu ihrem Kind ist und Spätfolgen für deren Entwicklung haben könnte. Andere wollen sich auch noch gar nicht so früh von ihrem Kind trennen.

Als Erzieher in der Kita erlebe ich selbst, dass die meisten Kinder schon sehr früh in die Einrichtung gebracht werden, was den Übergang anfangs von der Familie zur Kita nicht gerade leicht macht. Denn in dem Alter von 10 Monate haben Kinder meist erst eine feste Bindung zu ihren Eltern aufgebaut, was als ihnen Halt, Selbstbewusstsein, Vertrauen in die Welt,.. und ein guter Antrieb ist, und beginnen zu fremdeln – stehen also einer neuen Person oder Umgebung ängstlich gegenüber.

Wir haben unsere Lotti im Alter von zehn Monate in die Kita gegeben

Auch Lotti viel die Trennung von uns Eltern in der Kita nicht immer leicht, aber sie hat sich nach der Übergabe schnell von ihren Erziehern/innen trösten lassen. Heute geht sie gern in die Kita und unser gutes Verhältnis zu ihr ist ungebrochen. 🙂 Dafür hat sie aber neue Beziehungen zu Personen, ihre Erzieher/innen und die Kinder in der Kita, aufgebaut und davon profitiert: sprachlich, sozial-emotional, motorisch,… .

Auch unsere Nuri kommt im August mit zehn Monate in die Kita.

Melina kam erst mit zwei Jahren in die Kita,…

weil wir vorher keinen Kitaplatz bekommen hatten. Das hat Ihr den Übergang von uns in die Kita aber dennoch nicht erleichtert. Obwohl man denken sollte, in diesem Alter wollen Kinder die Welt entdecken und freuen sich auf das aufregende Leben in der Kita. Das war dann auch so, aber die Trennung ist ihr dennoch oft schwer gefallen.

Wirkt sich eine frühe Fremdbetreuung negativ auf die Eltern-Kind-Bindung oder Entwicklung aus?

Zu erst einmal muss man sagen, es gibt hier nicht die allgemein gültige Antwort, da jedes Kind und jede Eltern-Kind-Beziehung individuell zu sehen ist. Aber dennoch kann man sagen, Kinder sind in den ersten Lebensjahren in der Lage Beziehungen zu mehreren Personen aufzubauen. Und Beziehungen stärken das Kind und mehrere Beziehungen bieten diesem eine breite Palette an Modellen von Persönlichkeiten, Fähigkeiten, Interessen… was für die Entwicklung nur gut sein kann.

Die Voraussetzung dafür aber ist eine gute Bindung zwischen Eltern und Kind. Ist diese Bindung sicher, dann hält sie auch einer längeren Betreuung in der Kindertageseinrichtung stand.

Ist die Beziehung zwischen Eltern und Kind dagegen von Unsicherheit geprägt, dann kann das Kind sogar von einer hochwertigen Betreuung in der Kindertageseinrichtung profitieren. Denn dort hat das Kind die Möglichkeit mit ihren Bezugserziehern eine stabile Beziehung aufzubauen, was sich wiederum positiv auf das Eltern-Kind-Verhältnis auswirken kann.

Der Übergang von der Elternbetreuung hin zu einer Fremdbetreuung ist sehr sensibel 

Bevor das Kind von den Beziehungen einer Kindertageseinrichtung profitieren kann ist es wichtig, dass diese sich entwickeln. Und hier sehe ich aufgrund der heute hohen Erzieherfluktraktion und des schlechten Erzieherschlüssels ein Problem. Denn oft kann nicht derselbe Erzieher die Eingewöhnung machen und es gestaltet sich auf Grund des Erzieherschlüssels ebenso schwierig, dass ein Erzieher anfangs nur für das Eingewöhnungskind da sein kann – dies wäre aber in einem frühen Alter sehr wichtig. Denn das Kind braucht eine Bezugsperson, die auf seine Bedürfnisse eingeht und diesem Zuwendung, Sicherheit und Unterstützung bietet um explorieren zu können.

Man muss sich an dieser Stelle einmal in das Kind hinein versetzen: Es kommt zum ersten Mal in eine Kindertageseinrichtung und dann strömen ganz, ganz viele neue Eindrücke und Erfahrungen auf dieses ein. Es muss sich aus der sicheren und vertrauten Beziehung der Eltern lösen und sich an neue Personen und eine neue Umgebung gewöhnen – ein hartes Brot für ein so kleines Kind. Das Kind braucht daher eine Bezugsperson, die ihm mit viel Feingefühl und Geduld die Sicherheit gibt, die es braucht. Hat es diese Sicherheit gewonnen, wird es sich mitteilen, öffnen, Beziehungen zu anderen Kindern aufnehmen, intensiv spielen und aktiv die Umwelt erkunden.

Ich würde jedem daher nur empfehlen diesen Übergang nicht zu erzwingen, dies könnte sich etwas später negativ auswirken: Unsicherheit, Unzufriedenheit,… . Klar ist man stolz, wenn das Kind schon nach wenigen Tagen die Eingewöhnung ohne Mama und Papa meistert, aber der Schein kann auch trügen.

Warum ich meine Kinder früh in die Kita geben würde

Leider sind wir in der Situation nicht auswählen zu können. Denn wir sind allein schon aus finanziellen Gründen gezwungen unsere Kinder früh in die Kita zu geben, um Geld verdienen zu können. Aber nicht so schlimm:

Ich bin überzeugt: Die Kita tut meinen Kindern und uns Eltern gut. Meine Kinder lernen viel und mit Spaß in der Kita – allein durch den Umgang mit Kindern. Dazu kommen vielfältige Angebote die ich ihnen daheim in der Art nicht bieten kann. Ich hätte auch nicht die Nerven dazu. Denn auch ich brauche als Papa Zeit für mich. Aber auch hier denke ich, wenn es den Eltern gut geht, dann geht es auch den Kindern gut. Oder???

Dadurch das ich selbst als Erzieher in der Kita die Erfahrung gemacht habe, dass es Kindern, die im Alter von zehn, elf oder zwölf Monate in die Kita gekommen sind, an nichts fehlt, ganz im Gegenteil, finde ich die Entscheidung unsere Kinder mit 10 bis 12 Monaten in die Kita zu geben gut. Ich muss aber auch sagen: Mit 1 1/2 wären die Kinder nicht mehr so hilflos und ausgeliefert, da sie dann in der Regel schon laufen können und ihre Bedürfnisse besser mitteilen.

Die Beziehung zu uns Eltern wurde in jedem Fall nicht durch den frühen Besuch der Kita negativ beeinflusst. Wir haben zwar für unsere Kinder weniger Zeit, aber dafür nutzen wir sie umso intensiver.

Aber man sollte bedenken, man kann meine Erfahrungen, Gedanken, … nicht auf alle Kinder übertragen. Jedes Kind ist anders: Das eine kann sich schneller an eine neue Bezugsperson und Umgebung gewöhnen und ein Anderes hat damit große Schwierigkeiten und braucht mehr Zeit für diesen neuen Lebensabschnitt.

Was denkt Ihr? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Wenn Ihr noch mehr zum Thema lesen wollt, dann lest meinen Nachschlag: http://papiredetmit.de/2015/06/wann-soll-ich-mein-kind-in-die-kita-geben/

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

3 Kommentare

  1. Ich bin ganz ehrlich, mit 10 Monaten hätte ich das nicht gekonnt, es hätte mir das Herz gebrochen.
    Glücklicherweise ist es bei uns finanziell nicht notwendig gewesen, deshalb sind alle 3 erst mit 3 Jahren in der Kindergarten spaziert.
    Heute im Rückblick würde ich sagen, 2 Jahre wäre für mich das perfekte Alter, denn da kam bei mir die Zeit, wo ich auch mal wieder alleine Zeit für mich brauchte.
    Aber vom Alter jetzt mal völlig unabhängig, denn das muss jeder für seine Familiensituation selber entscheiden, Kindergarten ist was tolles!
    Manchen Kindern würde es sicher gut tun, etwas eher dorthin gehen zu dürfen, denn
    nur mit Mutti Zuhause bremst bei einigen die Entwicklung und die Kinder sind völlig überfordert, wenn sie auf andere Kinder treffen!

    lieben Gruß
    Simone

  2. In meinem Fall gab es auch nichts zu überlegen. Meine Tochter ist mit 9 Monaten zur Tagesmutter, da ich weiterstudieren musste. Heute ist sie 3 3/4 u geht in den Kindergarten, ist aber nach wie vor sehr gerne zu Hause.

  3. Ich finde es sehr Schade dass der Trend immer mehr zur KITA hingeht.
    Es gibt viele andere Betreuungs- und Hilfemöglichkeiten für Eltern. Normalerweise hat das Kind durch ein „normales“ soziales Umfeld ausreichend Kontakt und Beziehungen zu anderen Personen und Kindern. Einem so kleinen Kind genug „Bildung“ zu liefern sollte jedem möglich sein.
    Die Kita ist gut und entspannt für die Eltern, für die Kinder birgt sie viele Risiken, die ich in meiner psychotherapeutischen Praxis leider erst viel später sehe. Dann sind häufig Schäden eingetreten die man nur schwer behandeln kann. Kinder passen sich an alles an -auch an schweren Missbrauch….

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