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papi redet mit, baby

Ein Nachschlag: Wann soll ich mein Kind in die Kita geben – soll ich überhaupt? (Teil 2)

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Ihr Lieben, ich grüße Euch!!!

Mein Beitrag „Wann soll ich mein Kind in die Kita geben – soll ich überhaupt?“ hat nicht nur viel Aufmerksamkeit und Zuspruch bekommen, sondern es gab auch für mich ungewohnten Gegenwind. Deshalb musste ich diesen Nachschlag bringen, um zu bestimmten Aussagen von mir und von Euch noch einmal Position zu beziehen. Bevor ich mich aber dem widme, möchte ich mir eins gleich jetzt kräftig von der Seele schütteln: Mein eigenes Modell soll nicht Vorbild sein. Was für mich und meine Familie gut ist, muss nicht gleichzeitig auch für Euch gut sein!!! 

Früher hätte ich mein Kind nicht mit 10 oder 12 Monaten in die Kita gegeben

Hättet Ihr mich vor zehn Jahren gefragt, wann ich mein Kind in die Kita geben würde, dann hätte ich bestimmt geantwortet: Mein Kind sollte mindestens bis zum dritten Lebensjahr daheim bei seiner Mutter (den Vater hatte ich da noch gar nicht im Focus) bleiben, da die Bindung zur Mutter für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig ist. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch kein eigenes Kind.

Und, ich bin auch heute noch der Überzeugung, dass die Bindung des Kindes zur Mutter – und/oder Vater- für das Kind sehr wichtig ist. Aber gegenüber früher denke ich, dass eine Fremdbetreuung vor 3 Jahren die Bindung des Kindes zur Mutter oder Vater nicht erschüttert. Ich setze dabei aber auch voraus, dass zuvor eine sichere Bindung zwischen Kind und Eltern aufgebaut wurde, die für mich das Fundament liefert um spätere Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, Krisen zu meistern und ein Vertrauen in die Welt zu hegen.

Wann das Kind eine deutliche Bindung zu den Eltern entwickelt

Ein Kind entwickelt in der Regel in den ersten 9 Monaten eine deutliche Bindung zur Mutter oder Vater, die dann mit 12 Monaten stark ausgeprägt ist. Zu dem können Kinder in diesem Alter oft auch Beziehungen zu mehreren Personen eingehen.

Meine Mädels, Mina und Lotti, hatten in ihrem ersten Lebensjahr zu meiner Frau „und“ zu mir eine starke Bindung aufgebaut, die auch der frühe Besuch der Kita nicht negativ beeinflusste. Bei Nuri, meiner jüngsten Tochter, spürte ich schon im siebten Lebensmonat, dass sie vor allem zu meiner Frau, aber auch zu mir eine deutliche Bindung aufgebaut hat. Sie zeigte sogar schon die ersten Anzeichen von Fremdeln, wenn andere Personen sie auf den Arm nehmen wollten oder den Raum betraten.

Aber wie ich es auch schon in  Teil 1 geschrieben habe, man kann dies nicht für alle Kinder verallgemeinern. Ich denke jede Mutter und jeder Vater spürt selbst ganz gut, ob das eigene Kind für den neuen Lebensabschnitt „Fremdbetreuung“ bereit ist bzw ob das Kind schon eine gute und sichere Bindung zu den Eltern besitzt, um diese neue Situation zu meistern. Auf jeden Fall sollte jede Mutter so lange daheim bleiben wie es ihr und ihrem Kind gut tut!!!

Die Eingewöhnung in die Kita würde ich nicht auf die leichte Schulter nehmen

Ich gebe heute ohne Bedenken mein Kind mit zehn oder zwölf Monaten in die Kita. Aber bei all meinem Pro für eine frühe Fremdbetreuung, ist es mir wichtig, dass ich mich davon überzeuge, ob mein Kind in der Kita gut aufgehoben ist und es ihm gut geht. Daher beobachte ich genau die Entwicklung meines Kindes und frage die Erzieher wie sie die Eingewöhnung gestalten, ob sie auf die individuellen Bedürfnisse und Gewohnheiten eingehen und hacke immer wieder nach, wie es läuft.

Deshalb finde ich es als Erzieher auch völlig okay, wenn Eltern noch eine Weile hinter der Tür zum Gruppenraum stehen bleiben, um zu horchen ob es ihren Liebsten gut geht – das schafft Vertrauen.

Da die Fremdbetreuung anfangs für die Kinder oft eine ziemliche Belastung ist und Stress bedeutet, würde ich mir für die Eingewöhnung viel, nein sehr viel Zeit nehmen und nichts erzwingen.

Ich sehe die Fremdbetreuung als eine Bereicherung für mein Kind und Entlastung meiner Familie 

Es mag sich jetzt vielleicht merkwürdig anhören, aber es ist wie es ist: Ich genieße die kleine Auszeit, wenn meine Kinder in der Kita sind. Es ist ja nicht wirklich eine Auszeit, aber ich kann in dieser Zeit dem nachgehen, was mir wichtig ist: Arbeit, Bloggen,… oder einfach auch mal nichts tun. Das befriedigt mich und spült mir den Kopf frei, so dass ich mich riesig auf meine Kinder freue, wenn ich sie abhole.

Ich bin mir aber auch bewusst, meine Kinder würden lieber daheim bei Mami oder Papi bleiben, als in die Kita zu gehen. Daher versuchen wir sie höchstens 7 Stunden in der Kita zu lassen und ab und an entscheiden wir auch spontan, dass es heute mal nicht in die Kita geht, sondern zur Oma. 🙂

Aber ich sehe auch das positive an der Fremdbetreuung bzw der Kita: Die Kita ist ein Ort der viele, schöne Anreize zum Spielen, Experimentieren, Lernen, … den Kindern bietet. Und ich denke auch, dass meine Kinder außerhalb der sicheren Bindungen zu Mami und Papi von den Persönlichkeiten, Fähigkeiten und Interessen neuer Bezugspersonen profitieren. Hinzu kommt, dass sie in der Kita viele Kinder um sich haben, mit ihnen spielen können, … und dabei viel lernen – ein echter Vorteil, da ich nicht so viele Freunde mit Kindern täglich um mich habe.

Aber ich muss auch deutlich sagen, man kann all das seinen Kindern ebenso zu Hause bieten, wenn man mit Liebe, Spaß und Ehrgeiz dabei ist und ein kinderreiches, soziales Umfeld besitzt.

Mein Kind muss nicht schnell reif werden, es hat sein eigenes Tempo

Den Kommentar auf Facebook zum Teil 1 von Carolin  fand ich stark:

«meine (Kinder) müssen gar nicht so schnell reif werden.»

Carolin hat diesen Kommentar höchst wahrscheinlich geschrieben, weil ich geschrieben hatte, dass die Kita meinen Kindern eine gute frühe Förderung bietet. Ich bin natürlich auch der Meinung von Carolin. Und, ich finde es daher wichtig, dass Kitas den Kindern ihr eigenes Tempo zum Lernen lassen und ihnen viel Raum dafür geben sich nach ihren eigenen Bedürfnissen zu entwickeln.

Jedes Elternteil hat Respekt verdient

Der folgende Kommentar auf Facebook zu Teil 1 von Wendy hat mir ebenfalls sehr gut gefallen:

«finde ich total blöd, wenn man als Eltern dafür doof angemacht wird, wenn das Kind mit 1 Jahr schon in die Kita „abgeschoben“ wird. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und es gibt Eltern die schneller in den Beruf wieder einsteigen müssen. Jedes Elternteil hat Respekt verdient für das was es leistet.»

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

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