Ein vierfacher Vater, Kita-Erzieher und Kinderbuchautor über sein Leben in Berlin-Prenzlauer Berg

Die Jungs vom Food Truck oder „man muss auch mal nehmen ohne zu geben“

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Am Wochenende waren meine Frau und ich ohne unsere vier Mäuse in Hamburg. Es war geil. Eines meiner Highlights hat aber nur indirekt mit Hamburg zu tun.

Als wir am Samstagabend die Reeperbahn entlang liefen, da entdeckten wir ein Festival voller Food Trucks. Wir lieben diese Trucks, die auf engsten Raum leckere, frische und abgefahrene Sachen zu bereiten wie die Jungs vom Food Truck Rolling Ice. Von ihnen muss ich Euch erzählen.

Als wir es uns auf dem Festival in einer rustikalen Lounge aus Paletten gemütlich machten, sahen wir gegenüber die Jungs. Sie ackerten wie die Verrückten. Das sah richtig anstrengend aus. Ständig zerhackten sie etwas und schoben das Zerhackte hin und her, um dann wiederum fix eine Portion nach der anderen an ihre Kunden zu schicken. Wir bestellten uns erst einmal zwei kühle, spritzige Astra und ließen den bunten Trubel auf der Reeperbahn auf uns wirken.

Irgendwann nahm einer der Jungs neben uns Platz. Er machte Pause. Ich tippte ihn an und fragte, „Weißt Du, wo hier eine Sparkasse ist?“. Ich war blank. „Gleich hinter uns“, antwortete er freundlich. Kurz danach ging er wieder weiter ackern und der nächste machte Pause. Auch er setze sich neben uns. Kein Wunder, denn von unserem Platz aus hatte man gute Sicht auf den Food Truck.

Mir brannte eine Frage auf den Lippen. Ich wollte wissen, ob das ihr Food Truck sei. Denn die Jungs sahen noch so jung aus – irgendwas zwischen Zwanzig und Dreißig mussten sie sein. Ich fragte ihn also, „Ist das euer Food Truck?“. Er zögerte nicht lange und meinte, „Ja.“. Der Food Truck gehörte tatsächlich ihnen. Ich konnte es kaum glauben. Die waren noch so jung. Ich war baff. Dann erzählte er mir, dass jeder von ihnen ein paar Tausend Euro in die Hand genommen hat, womit sie den Food Truck kauften und ihn selber ausbauten, um Geld für ihr Studium zu verdienen.

Dann fragte er uns, „Woher kommt ihr?“. Wir antworten, „Aus Berlin.“ Er freute sich. Denn er mag Berlin und sein Bruder studiert auch in der Hauptstadt, wenn ich mich recht erinnere.

Dann fragte er uns weiter, „Wollt ihr probieren?“. Wir beide sagten schüchtern, „Wir haben schon gegessen.“. Das hatten wir wirklich, sogar richtig lecker portugiesisch. Er ließ aber nicht locker und ging in seinen Food Truck zurück. Dort machte er sich ans Werk. „Was treibt der da?“, fragten wir uns. Einige Zeit später kam er wieder. Die anderen zwei Jungs schickten weiter ein Essen nach dem anderen an ihre Kunden raus, die in einer Schlange geduldig vor dem Food Truck warteten und gewiss staunten, was die Jungs da trieben. Denn das war ja nicht nur Essen zu bereiten, sondern richtige Unterhaltung.

Uns war es unangenehm, dass er uns trotz der Schlange vor dem Truck gratis Essen zubereitete und kramten ein paar Euro aus der Tasche. Er schlug unser Geld aber aus und meinte, „MAN MUSS AUCH MAL NEHMEN OHNE ZU GEBEN.“. Dann klopfte er meiner Frau auf die Schulter und gab ihr einen Becher.

Wenn ich vorhin schon baff war, dann war ich es jetzt erst recht. Denn die meisten jüngeren Menschen, die ich kennengelernt habe, nehmen in der Regel mehr als zu geben. Und dann kommen diese Jungs, ackern wie die Bekloppten und spendieren uns obendrauf noch die Früchte ihrer Arbeit. Und das Essen war sau geil: Gerolltes Eis mit frischer Minze, Keks und Smarties. Die Idee dafür haben sie aus Thailand mitgebracht.

Die Jungs machen mir Hoffnung, dass scheinbar doch eine Generation heranwächst, die nicht nur Anforderungen stellt und Erwartungen hegt, sondern bereit ist zu arbeiten und zu investieren, bevor sie ernten.

Dieses Jahr scheint für uns zu einem Jahr zu werden, in dem wir auf unseren Trips wundervolle, interessante und inspirierende Menschen kennenlernen, wie den Musiker & zweifachen Vater Peter Bollmer oder die Straßenkünstlerin und Autorin Katja Lukic (Apfelfau).

Ich wünsche den Jungs alles GUTE!!!

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

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