Ein vierfacher Vater, Kita-Erzieher und Kinderbuchautor über sein Leben in Berlin-Prenzlauer Berg

Dienstag – Ein Tag kann verdammt lang sein!

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Dienstag 4:50 Uhr. Mein Wecker klingelt zum x-ten Mal. Immer wieder drücke ich auf Schlummern. Der Wecker klingelt im Fünf-Minuten-Takt. Es ist bereits 5:20 Uhr. In 25 Minuten muss ich auf Arbeit sein. Bei jedem anderen würden jetzt die Alarmglocken schrillen aber mein großes Glück ist, meine Arbeit ist in 5 Minuten zu Fuß zu erreichen. Also immer ruhig mit den jungen Pferden.

Ich rolle mich leise aus dem Bett. Dann schleiche ich aus dem Schlafzimmer und laufe schnell aber leise in die Küche. Ich mache das Licht an und die Tür hinter mir zu. Kein Geräusch oder Licht soll die Meute wecken.

Ich koche mir einen Kaffee. Dann gehe ich ins Bad, wo ich mir am Abend zuvor meine Sachen bereit gelegt habe – das zahlt sich aus. Ich wasche mich, putze mir die Zähne, mache mir die Harre und ziehe mich an. Dann gehe ich zurück in die Küche. Dort gieße ich mir einen schönen, heißen Kaffee ein und esse einen Yoghurt. Es ist 5:40 Uhr. Ich muss los. Fünf Minuten später bin ich auf Arbeit – pünktlich wie die Maurer.

13:30 Uhr Feierabend. Die Sonne scheint. Was für ein schöner Tag.

Mein Handy vibriert in der Tasche. Es ist meine Frau. „Hey Chris, kannst du mit Melini zum Arzt gehen? Ich muss schon um 14 Uhr auf Arbeit sein. Ich bin zu spät.“, fragt sie mich mit hektischer Stimme. Aber eigentlich ist die Frage überflüssig. „Klar, mache ich.“, sage ich. Was bleibt mir auch anderes übrig?

Doch bevor ich Melini von der Schule abhole, gönne ich mir noch etwas leckeres zu essen. Ich genieße die Zeit für mich, auch wenn sie nur kurz ist.  Jetzt ist es 13:50 Uhr. Ich muss noch einmal nach Hause und die Krankenkarte und das Arztheft holen.

Um 14:00 Uhr bin ich zu Hause. Ich kralle mir die Karte und das Heft und flitze wieder los. 20 Minuten später bin ich in der Schule. In der Eile laufe ich in die falsche Etage. Als ich mich dort hilflos nach meiner Tochter umschaue, spricht mich eine Hort-Erzieherin an. „Wen suchen sie denn?“, fragt sie. „Ich suche die Klasse 1c.“, sage ich. „Die ist eine Etage höher.“

Dort finde ich dann auch Melini. Sie freut sich. Wir umarmen uns herzlich. „Wir müssen uns jetzt beeilen! Wir müssen zum Arzt!“, sage ich. Melini schaut mich an und sieht nicht glücklich aus. Ich sehe wie ihre Augen feucht werden. „Zu welchem Arzt? Ich will nicht zum Arzt!“, meckert sie. „Aber du weißt doch, dass wir zum Arzt gehen.“, erwidere ich sicher. „Nein!“, sagt sie mit kläffender Stimme. „Mama hat mich angerufen und mir das gesagt.“, versuche ich sie positiv zu stimmen. Das ist ihr aber egal. Es ist bereits 14:40. Um 15:00 Uhr müssen wir beim Arzt sein!

Für Konfrontationen habe ich jetzt keine Zeit und schon gar keine Muße. Zum Glück habe ich noch einen Joker, den ich nicht gerne zücke aber ich tue es. „Pass auf!“, sage ich, „wir gehen jetzt zum Arzt und danach einkaufen und du darfst dir etwas aussuchen!“. Melini schaut mich immer noch sauer an aber dann lächelt sie. Und ich kann ihr ein leises „Okay“ entlocken.

Wir laufen los. Aber leider weiß ich nicht, wo der Arzt ist. Meine Frau hat diesen mir vor wenigen Monaten bei einen Spaziergang gezeigt. Ich habe es vergessen. Ich frage Melini, „weißt du wo der Arzt ist?“. „Nein, ich weiß nur wo der alte Arzt ist.“, sagt sie. Daher laufe ich erst einmal in die Richtung, an die ich mich erinnern kann. „Melini, war hier irgendwo der Arzt?“, frage ich sie. „Weiß ich nicht. Ich kenne nur den Weg von uns zu Hause. Am Haus war eine blaue Plane.“, antwortet sie. Das hilft mir auch nicht weiter.  Ich hab einen Einfall: Ich schaue in das Arztheft, ob ich dort einen Stempel mit Adresse finde. Gefunden. Ich muss eine Strasse weiter. Kurz vor 15:00 Uhr sind wir da.

Nach einer halben Stunde verlassen wir schon wieder den Arzt. Bevor wir uns auf den Weg in die Kita machen, gehen wir noch in ein Spielwarengeschäft in der Nähe, wo Melini sich etwas aussuchen darf. Sie findet aber nichts. Dann gehen wir in ein weiteres Spielwarengeschäft, dass gleich neben an ist. Melini wird fündig: Ein kleine Schatzkiste mit Schloss und Schlüssel – da sie ja so wenige von diesen hat. Wir kaufen diese und obendrauf noch einen Anhänger für ihre Schulmappe.

Jetzt machen wir uns aber auf den Weg in die Kita, um die anderen Mädels abzuholen. Unterwegs treffen wir Melinis beste Freundin und ihre Mama. Sie wollen einkaufen gehen. Aber nicht irgendwo, sondern in dem Supermarkt in dem meine Frau arbeitet. Melinis Freundin möchte, dass Melini mitkommt. Die Mama hat nichts dagegen. Ich zögere kurz aber dann sage ich zu der Mama, „Okay, ich hole schnell die Kinder von der Kita ab und dann komme ich auch zum Supermarkt und nehme Melini wieder mit.“.

Ich mache mich auf den Weg in die Kita und hole unsere drei Mädels ab. Das geht schnell, bis die zwei Älteren schreiend in den Kinderwagenraum der Kita rennen. Sie streiten sich, wer den Roller und wer das Laufrad nimmt bzw. beide wollen den Roller. Ich werde kurz laut und frage sie, „wer ist mit dem Roller und wer ist mit dem Laufrad gekommen?“.  Nach wenigen Minuten finden wir endlich einen Kompromiss: Nuri fährt mit dem Roller hin und Lotti wieder zurück. Auch das ist geschafft.

Unterwegs überlege ich mir, dass es keine gute Idee ist, wenn ich hinein in den Supermarkt gehe. Denn wenn erst einmal unsere Jüngste meine Frau im Supermarkt entdeckt, dann bekomme ich sie dort nur schreiend hinaus. Ich warte also in der Kälte vor dem Supermarkt. Es dauert nicht lange und sie kommt heraus. Zu fünft gehen wir nach Hause.

Stop. Ich muss noch einkaufen aber nicht bei meiner Frau. Ich nehme den Supermarkt direkt vor unserer Haustür. Während ich mit meinen vier Mädels einkaufe, überlege ich bereits, wie ich den Einkauf mit vier Kindern in den dritten Stock bekomme. Ich kaufe daher lieber nur das Notwendigste. Die vier benehmen sich super beim einkaufen, da lasse ich sie gerne nach dem Bezahlen die Milchschnitten plündern.

Wir sind zu Hause. Es ist kurz vor 17:00 Uhr. Melini stürzt an ihren Schreibtisch und malt. Lotti und Nuri schnappen ihre Puppen und spielen Kita. Greti packt mittendrin die Spiele der Großen aus und wirbelt sie einmal richtig schön durcheinander. Ich räume das Chaos schnell mit ihr wieder auf – ich habe ja auf Arbeit in der Kita noch nicht genug aufgeräumt. Dann trage ich unser Klettergerüst in die Küche und streiche es neu an. Dabei komme ich etwas runter und entspanne.

18:00 Uhr. Ich bereite das Abendbrot vor. Es gibt Stulle mit Käse und Wurst und Gemüsesticks mit Dressing. Bevor wir aber Abendbrot essen, ziehen die Kinder ihre Schlafanzüge an – ein wichtiges Abend-Ritual bei uns, dass das Schlafengehen langsam einleitet.

Um 18:30 rufe ich die Mädels zum Abendbrot. Die vier essen wie die Spatzen. Es dauert nicht lange und sie gehen wieder ihrem Spiel nach. Und ich, ich schaufel mir die Reste rein, die sie auf ihren Tellern zurückgelassen haben – der Müllschlucker der Familie so zu sagen.

Den Fernseher, der unbeachtet die ganze Zeit nebenbei flimmert, mache ich jetzt aus. Es kehrt mehr und mehr Ruhe bei uns ein.

Kurz vor 19:30 heißt es Zähneputzen. Ich muss die Kinder nicht lange auffordern. Sie putzen gerne Zähne. Nachdem Zähneputzen geht es ins Bett. Zuerst bringe ich Greti ins Bett. Es dauert nicht lange und die kleine Maus schläft – es war ein langer Tag! Dann klettere ich mit Melini, Nuri und Lotti auf die Hochebene, wo ich ihnen ein Kapitel aus dem Buch „Mama Mutsch und mein Geheimnis“ vorlese. Nach dem Vorlesen quasseln wir darüber, was in dem Kapitel passiert ist und überlegen wie es morgen weitergeht. Jetzt gebe ich Melini und Lotti einen Kuss und sage, „Gute Nacht! Schlaft schön!“. Ich nehme Nuri in den Arm und steige mit ihr die Leiter der Hochebene hinunter. Ich mache das Licht aus.

Nun lege ich Nuri ins Bett und lese ihr noch das Buch „Gute Nacht Karlchen!“ vor. Dann mache ich auch hier das Licht aus. Geschafft.

Ein Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Alle Kinder liegen im Bett. Ich räume noch das Wohnzimmer und die Küche auf – soll ja schick aussehen, wenn meine Frau von der Arbeit kommt. Dann mache ich uns Beiden noch Abendbrot. Nebenbei schaue ich in die Zimmer der Kinder und vergewissere mich ob sie schlafen. Sie schlafen! Ich gehe ins Wohnzimmer, zünde Kerzen an und schalte die Flimmerkiste ein. Feierabend. Es ist 20:15 Uhr.

Um 22.30 Uhr kommt meine Frau. Sie freut sich über das Abendbrot. Wir machen uns noch ein Bier auf. Die Zeit vergeht wie im Fluge, so dass wir irgendwann erschrocken auf die Uhr schauen: 0:05 Uhr. Ab ins Bett.

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

2 Kommentare

  1. Wow! Bei uns ist es ähnlich, aber auch wieder ganz anders. So ein Tag ist schon der Wahnsinn!

  2. Ich kenne das und ich muss sagen, auch wenn solche Tage sehr stressig sind, fühle ich mich am Abend sehr wohl, da ich meine Zeit gut genützt habe und alle Besorgungen und Einkäufe etc. erledigt sind.

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