Ein vierfacher Vater, Kita-Erzieher und Kinderbuchautor über sein Leben in Berlin-Prenzlauer Berg

Ein ganz normaler Montagmorgen oder wenn die Arbeit schon vor der Arbeit beginnt

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Montag 6:10 Uhr. Mist, zum dritten Mal kommt meine Frau ins Schlafzimmer und ruft, „Christian, steh endlich auf! Du wolltest schon vor 20 Minuten aufstehen. Die Kinder sind alle wach. Ich gehe gleich.“. Sie ist genervt.

Ich bin aber zu müde um aufzustehen – gestern Abend war ich im Theater und bin erst heute morgen um 0:15 Uhr nach Hause gekommen. Ich möchte einfach weiterschlafen. Nun steht meine Frau wieder in der Schlafzimmertür aber nur kurz. Sie ruft, „Tschüss! Ich bin dann weg.“. Kurz danach schlägt die Wohnungstür ins Schloss. Ich glaube sie ist sauer. 🙁

Meine Frau ist weg. Sie hat Frühdienst. Jetzt hilft alles nichts. Ich richte mich auf, reibe mir die Augen. Dann klettere ich träge aus dem Bett. Auf dem Flur sehe und höre ich unsere Mädels. „Morgen ihr Süßen!“ rufe ich.

Ich sammle mich kurz. Mein erster Blick fällt auf die Uhr. Es ist 6:15 Uhr. Das bedeutet,  in 1 Stunde und 45 Minuten muss ich auf Arbeit, in der Kita sein. Was ist zu tun? Meine zwei großen Töchter sind angezogen. Super. Meine zwei jüngsten Mädels flitzen noch in ihren Schlafanzügen herum. Ich fackel nicht lange herum und ziehe sie an. Meine Frau hat zum Glück die Sachen schon bereit gelegt. Das ging fix. Die Mädels haben gut mitgemacht.

Nun gehe ich in die Küche und werfe einen Blick in den Kühlschrank. Ich schaue, ob meine Frau die Vesper-Dosen für die Kita und Schule fertig gemacht hat. Sie sind fertig. Sie ist ein Schatz!

Weiter im Programm: Ich frage die Mädels, „habt ihr schon Frühstück gegessen?“ Die Antwort fällt vernichtend aus: „Nein!“ Ich frage sie, „was wollt ihr denn zum Frühstück essen?“. „Cornflackes, Stulle mit Salami, Yoghurt, ich möchte nichts!“, rufen sie durcheinander. Können nicht alle mal den selben Wunsch haben, denke ich.

Bevor ich mich an das Frühstück mache, gehe ich erst noch schnell duschen – später ist dafür keine Zeit.

Es ist bereits 6:40. Ich habe noch 1 Stunde und 20 Minuten, dann muss ich auf Arbeit sein. Ich mache das Frühstück für die Kinder. Ich selbst schmiere mir auch eine Stulle – ohne Mampf kein Kampf. Für Kaffee kochen ist keine Zeit. Umso mehr freue ich mich über die halb volle Tasse Kaffee, die meine Frau stehen gelassen hat. Hauptsache Kaffee. Um 6:55 Uhr sind alle mit dem Frühstück fertig.

Meine große Tochter steht inzwischen fix und fertig angezogen an der Wohnungstür. Sie hat sich bereits die Harre gekämmt, sich gewaschen und Zähne geputzt. Jetzt wartet sie ungeduldig auf mich und setzt mich damit unbewusst unter Druck.

„Zähne putzen!“, rufe ich. Die Mädels laufen schnell ins Bad. Ich verteile die Zahnbürsten und tue die Pasta drauf. Dann putzen wir fleißig unsere Zähne und ich werfe kontrollierende Blicke in die Runde. Eine nach der anderen putze ich die Zähne nach – das soll man mindestens bis zum 9 Lebensjahr machen, hat der Kroko in der Kita erzählt. 😉 Während dessen denke ich, früher habe ich geradeso meine eigenen Zähne geschafft zu putzen. Heute leiste ich das ganze Zahnputz-Programm plus vier.

Inzwischen befinden wir uns auf der Zielgeraden und ich rufe, „Anziehen! Wir gehen gleich los.“. Zwei meiner Mädels rennen sofort auf den Flur und schnappen sich ihre Sachen. Eine jedoch rennt ins Zimmer und schreit, „nicht Kita!“. Ich beachte sie erst einmal nicht und helfe den anderen beim anziehen. Die Sachen habe ich mir schon vorher zurechtgelegt.

Nachdem die zwei angezogen sind, schnappe ich mir die Ausreißerin. Widerwillig lässt sie sich anziehen und schreit immer wieder, „ich will nicht Kita! Ich will nicht Kita!“ Ich sage ruhig aber entschlossen, „Papi muss auf Arbeit. Ich kann dich nicht allein zu Hause lassen. Hier ist keiner der auf dich aufpasst. Mama ist arbeiten. Papa ist arbeiten. Wir gehen jetzt in die Kita!“. So geht das einige Male hin und her – dabei ziehe ich sie an. Fertig. Die Uhr sagt 7:10. Ich habe noch 50 Minuten.

Jetzt schlage auch ich die Tür ins Schloss. Meine zwei großen Mädels flitzen fix die Treppe runter und warten auf mich. Ich klemme mir die zwei Jüngsten unter den Arm und sehe zu, dass ich schnell die Treppe hinunter komme. In meiner warmen Winterjacke komme ich leicht ins Schwitzen – kein Wunder, wenn man im Altbau, im dritten Stock wohnt.

Im Hausflur angekommen, setze ich unsere Jüngste in den Kinderwagen und sage etwas druckvoller, „wir müssen jetzt los! Papi muss pünktlich auf Arbeit sein.“.

Unterwegs erzählt mir meine älteste Tochter, „Samuel wartet heute bei seiner Wohnung auf mich!“. „Wie kommst du denn darauf“? Ihr trefft euch doch immer am Supermarkt und geht von dort in die Schule.“, frage ich verwundert. „Mama hat das gesagt.“, sagt sie. „Mama hat mir aber nichts davon erzählt.“, erwidere ich leicht angefressen.  Ich krame schnell nach meinem Handy und frage per Nachricht bei meiner Frau nach. Sie meldet sich nicht. „Na super.“, denke ich, „ich weiß noch nicht einmal wo Samuel wohnt.“. „Melini, weißt du wo Samuel wohnt? Ich weiß das nicht.“, frage ich meine Tochter. „Nein, weiß ich nicht. Ich glaube in einem neuen, weißen Haus.“, sagt sie und zeigt die Strasse hinunter. „Och ne“, sage ich genervt. Ich bringe erst einmal die drei Jüngsten in die Kita.

Als ich mit meiner ältesten Tochter aus der Kita komme und auf dem Weg zum Supermarkt bin, entdecke ich Samuel auf der anderen Straßenseite mit seiner Mama. Ein freudiges Grinsen erstreckt sich über meinem Gesicht. Ich bin erleichtert. „Melini, schau, da ist Samuel!“ rufe ich. Sie freut sich. Wir laufen mit schnellen Schritten die Strasse hinüber und begrüßen Samuel und seine Mama. Glück gehört zum Leben oder zum Morgen dazu.

Ich drücke meine Tochter noch einmal fest und gebe ihr einen Kuss. Dann flitze ich los auf Arbeit, in die Kita. Sie geht mit ihrem Schulfreund in die Schule. Durchgeschwitzt komme ich auf Arbeit an und hole die Kinder vom Frühdienst ab. Pünktlich um 8:00 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Geschafft. Die Woche kann starten.:)

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

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