Ein vierfacher Vater, Kita-Erzieher und Kinderbuchautor über sein Leben in Berlin-Prenzlauer Berg

Samstag – Von wegen ich schlafe immer aus!

| 1 Kommentar

Samstag 5:45 Uhr. Es ist hell, verdammt hell. Nicht wegen der Sonne, sondern durch die Wandlampe über mir. Ich liege auf der Couch im Wohnzimmer, wo ich gestern Abend zusammen mit meiner Tochter Lotti eingeschlafen bin. Ich bekomme die Augen kaum auf. Dazu dieses helle, blendende Licht – grausam. Melini steht neben mir und fragt mich, „Papa, können wir aufstehen?“. In der einen Hand hält sie Stifte und in der anderen ein Freundschaftsbuch. Ich richte mich leicht auf und schaue auf die Uhr: Kurz vor 6:00 Uhr. „Es ist noch ganz früh! Ich möchte noch schlafen! Mach das Licht bitte aus! Lotti schläft auch noch!“, sage ich bittend zu ihr. Sie macht das Licht aus. Aber dann…Greti ist aufgewacht und kommt schimpfend ins Wohnzimmer: „Papa trinken! Papa trinken!“.

Spätestens jetzt weiß ich, ich muss aufstehen. „Melini, du kannst das Licht anmachen! Papa steht auf!“ Ich stehe auf und mache für Greta eine Saftschorle – Wasser mit Saft. Damit hat das schimpfen ein Ende.

Ich bin zurück im Wohnzimmer. Dort sehe ich Melini, wie sie ihre Sachen auf dem Wohnzimmertisch ausbreitet: Das Freundschaftsbuch und die Stifte liegen bereit. „Papa, kannst du mit mir das Buch ausfüllen?“, fragt sie. „Ja, können wir machen.“, sage ich, „aber vorher mache ich mir einen Kaffee.“.

Ich koche mir einen Kaffee – eine Kanne Kaffee. Doch bevor ich mich mit Melini an die Arbeit mache, flüchte ich noch kurz in die Küchenarbeit und räume das dreckige Geschirr in den Geschirrspüler. Nicht weil ich einen Ordnugsfimmel hab, sondern weil ich kurz Zeit für mich brauche.

Jetzt machen wir uns an die Arbeit. Melini hat schon ihren Namen und ihr Geburtsdatum selbst in das Buch geschrieben. Als sie dann ihre Adresse einschreibt, erklärt sie mir eine Rechtschreibregel, die ich längst vergessen habe. Es geht um das Wort „Straße“. „Wenn nach dem SCH ein T kommt, dann schreibt man S.“, erklärt sie mir. Ich denke, endlich bringt mir einer richtig das Schreiben bei. Denn auch wenn ich gerne schreibe und lese, so habe ich doch einige Defizite. Aber für mich lange kein Grund, nicht zu schreiben!

Wir füllen weiter die vielen Fragen nach ihrer Lieblingsfarbe, ihrem Lieblingsessen, ihrem Spitznamen,… aus. Dann kommt eine geniale Frage: „Was unterscheidet Dich von anderen?“ Melini fällt es schwer die Frage zu beantworten. Sie hat jetzt auch keine Lust mehr und klappt das Buch zu. „Du hast große braune Augen! Du möchtest dich immer mit allen gut verstehen! Du hast drei Schwestern!“, sage ich zu ihr.

Es ist 6:30 Uhr. Lotti wird durch unser Gequassel wach. Sie reibt sich die Augen, nimmt ihre Puppe, die neben ihr liegt, und packt sie in den Kinderwagen, der neben der Couch steht. Kaum die Augen auf und schon im Spiel, denke ich

Um 7:00 Uhr kommt Nuri ins Wohnzimmer. So langsam sind alle wach, nur die liebe Mama nicht. Ich schaue kurz ins Schlafzimmer: Friedlich und fest schläft sie in unserem Bett. Sie hat gestern bis 22:00 Uhr gearbeitet. Dennoch überkommt mich ein Gedanke, den ich auch schon letztes Wochenende hatte: Von wegen schlafe ich immer aus! Denn das behauptet meine Frau nur zu gerne, wobei das auf das Wochenende selten zu trifft. Aber auf die Woche trifft es tatsächlich zu: Grundsätzlich schlafe ich eine halbe Stunde länger als meine Frau, wenn es denn möglich ist.

Gegen 7:30 Uhr ist auch meine Frau wach. Kaum ist sie aufgewacht, organisiert sie den Tag: „Chris gehst du dann einkaufen!“ Das hatten wir gestern Abend besprochen. „Fünf Minuten, dann geh ich mich waschen! Der Supermarkt ist auch noch gar nicht offen!“, sage ich. Jetzt merkt sie erst, dass es noch gar nicht so spät ist.

Ich gehe mich waschen und dann einkaufen. Lotti kommt mit.

Als ich zurück vom Einkaufen bin und wir gerade alles ausgepackt haben, kommt Melini mit meinem selbst gebastelten Buchstabenspiel in die Küche und sagt, „Mama können wir das spielen?“. Mama sagt, „Melini ne, ich muss jetzt einkaufen zu DM!“. Ich sage, „Ich spiele mit Dir aber vorher mache ich mir noch schnell einen Salat.“

Wo sind die Spielkarten?“, frage ich. „Weiß ich auch nicht!“, sagt sie. Ich gehe die Karten suchen. Ich finde sie nicht. Aber ich habe eine Idee. Ich packe alle Buchstabenfelder auf den Küchentisch und sage, „Melini, du machst die Augen zu und ich gehe mit dem Zeigefinger über die Buchstabenfelder. Wenn du „Stop“ sagst, bleibe ich mit dem Zeigefinger stehen. Auf welchem Buchstabenfeld der Zeigefinger zeigt, gibt an, mit welchem Anfangsbuchstaben du ein Tier nennen musst. Dann bin ich an der Reihe. Wer ein Tier mit dem richtigen Anfangsbuchstaben weiß, der bekommt einen Punkt.“. Ein cooles Spiel! Könnt Ihr mal ausprobieren! Dafür braucht Ihr nur die Buchstaben auf kleine Zettel zu schreiben.

Beim Spielen fängt Melini an zu reimen und zu singen, woraus das nächste Spiel entsteht: Sie sagt einen Satz und ich reime einen dazu. Ich merke wie verkopft ich bin und wie frisch und spontan Melini ist. Es kommen total schöne Sachen heraus, so wie diese:

Lieber Bär (Melini)

Du hast es schwer (ich)

Du hast Hunger (Melini)

Magst Fische oder Hummer, (ich)

Das ist aber komisch (Melini)

Der Bär mag doch Honig (ich)

Dann unterbricht uns Greti und möchte das Buch „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ vorgelesen haben. Ich fange etwas lustlos an zu lesen, bin dann aber voll im Element.

Plötzlich fällt mir ein, meine Frau meinte zu Melini, dass sie ihre Hausaufgaben machen soll. Denn bald kommt ihre Freundin zu Besuch und schläft heute Abend bei uns. Und morgen wird das mit den Hausaufgaben nichts. Ich sage zu Melini, „Melini, wir müssen Hausaufgaben machen!“. „Aber du musst sie holen!“, anwortet sie. Ich hole sie und kurz danach macht sie Hausaufgaben. Nebenbei tippe ich diesen Beitag in den Laptop. Denn am besten schreibt es sich, wenn es ganz frisch ist.

Bis bald, Euer Christian alias Papi redet mit

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

Ein Kommentar

  1. Sehr interessant. Ich hätte wahrscheinlich anders reagiert, wenn meine Tochter so früh aufgestanden wäre^^ 6 Uhr in der Früh ist nämlich verdammt früh. Ich sehe aber generell, dass du eine andere Persönlichkeit hast als ich. Danke fürs Sharen und liebe Grüße an die Kinder

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