Ein vierfacher Vater, Kita-Erzieher und Kinderbuchautor über sein Leben in Berlin-Prenzlauer Berg

Was bedeutet das Langzeitstillen für mich als Vater?

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Mütter wie Väter sind glücklich, wenn ihr Baby möglichst lange gestillt werden kann. Jedenfalls sollte man das denken. Statistisch gesehen, stillen Mütter im Durchschnitt vier bis fünf Monate. Die WHO empfiehlt weltweit, voll ausgetragene, mit Normalgewicht geborene Kinder bis zum sechsten Monat (180 Tage) ausschließlich zu stillen, daher ohne weitere Speisen und Getränke außer Muttermilch zu ernähren. Stillen nach Bedarf sollte mindestens bis zum Alter von zwei Jahren und darüber hinaus fortgesetzt werden, so lange es für Mutter und Kind stimmig ist. Die Muttermilch ist weiterhin eine Quelle für viele Nährstoffe. Als ich kürzlich für ein Buch zum Thema Langzeitstillen interviewt wurde, erinnerte ich mich an die Zeit zurück als meine vier Mädels gestillt wurden. Eine Zeitreise, die mich nicht nur Blumen pflücken lässt… 

Wie viele von deinen vier Kindern wurden länger als ein Jahr gestillt?

Keines von ihnen. Aber eins, und das war die letzt geborene, konnte bis zu zehn Monaten gestillt werden. Darüber waren meine Frau und ich sehr glücklich.

Das Stillen erwies sich sogar als überaus praktisch. Denn die Muttermilch beinhaltet alle Nährstoffe, die ein Baby braucht, um sich ausgewogen und  gesund zu ernähren. Und man muss nicht erst in den Supermarkt flitzen und für viel Geld ein Muttermilchersatz kaufen und dann noch zubereiten.

Bei meinen ersten drei Kindern hat es mit dem Stillen nicht sein sollen. Stillhütchen und Milchpumpe konnten das Abstillen nur kurze Zeit hinaus zögern, bis meine Frau immer wieder durch einen Milchstau in der Brust von Entzündungen, Fieber und Schmerzen heimgesucht wurde. Irgendwann war Schicht im Schacht. Selbst in den zehn Monaten, in denen meine jüngste Tochter gestillt wurde, hatte sie mit den selben schmerzenden Nebenwirkungen zu kämpfen. Auch wenn meine Frau sich nur schwer mit dem Abstillen anfreunden konnte, musste sie sich am Ende geschlagen geben.

Rückblickend waren die zehn Monate für uns Beide eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Glück, Schmerzen, Stress. Und nicht zu vergessen ist unsere Tochter, der das Abstillen gar nicht gefallen hat. 

Wie hast Du die Beziehung zwischen der Mutter und dem länger gestillten Kind empfunden? Hat Dich etwas an der Situation gestört oder belastet?

Anfangs habe ich die Situation als sehr, sehr schön empfunden und mich zusammen mit meiner Frau gefreut.

Ich habe festgestellt, dass die Mutter-Kind-Beziehung eine viel stärkere war als sie es bei meinen drei älteren Kindern gewesen ist. An sich war das wundervoll,  zumal wir Elten nicht in Konkurrenz leben. Aber nicht selten wurde diese besondere Beziehung für mich als Vater zum Problem. Vor allem dann, wenn ich allein mit meiner Tochter gewesen bin und sie nicht beruhigen konnte. Denn um sich in Stresssituationen regulieren zu können, benötigte meine Tochter einerseits die Körpernähe zur Mutter und anderseits das Stillen und Nuckeln an der Brust. Da half auch kein Nuckel. Egal wie viel Liebe, Aufmerksamkeit, Geduld und Ruhe ich aufwendete, es half nichts. Ich musste das Geschrei aushalten. Das empfand ich schon als Belastung. Und umso länger das Stillen andauerte, umso mehr plädierte ich innerlich für das Abstillen. Äußerlich stand ich aber hinter der Entscheidung meiner Frau.

Skeptisch nahm ich zudem wahr, dass unsere Tochter lange unsicher wirkte und sich ihre Sicherheit durch die Nähe zur Mama aufbaute. Man muss sich das so vorstellen, dass sie zum Beispiel selten allein in einem Raum blieb und ihrer Mama auf Schritt und Tritt folgte. Heute ist sie dagegen ein selbstbewusstes, fröhliches und offenes zweijähriges Mädchen. Es hat ihr also nicht geschadet.

Ab wann sprichst du persönlich von Langzeitstillen?

Ich weiß, dass man ab 12 Monaten von Langzeitstillen spricht. Ich persönlich spreche überhaupt nicht von Langzeitstillen, weil ich das Stillen als die normalste Sache der Welt empfinde. Und für mich waren schon zehn Monate eine lange Zeit und ich kenne auch nicht viele Mütter, die so lange gestillt haben wie meine Frau. Also würde ich bereits in unserem Fall von Langzeitstillen sprechen.

Möchtest du grundsätzlich etwas zum längeren Stillen sagen?

Ich denke, dass das Stillen für die kindliche Gesundheit und Entwicklung förderlich ist sowie der Mutter-Kind-Beziehung gut tut. Ich finde es faszinierend, dass die Muttermilch beim Baby das Risiko für Infektionskrankheiten, Allergien oder Asthma senken kann. Und bei der Mutter das Risiko für Brust- oder Eierstockkrebs reduziert.

Ich konnte aber auch die Erfahrung machen, dass nicht gestillte Kinder sich ebenso prächtig entwickeln und eine sichere Bindung zu ihren Elten aufbauen. Daher glaube ich, dass jede Familie ihre eigene Konstellation hat sowie ihr eigenes Tempo besitzt. Und niemand sollte zu hart mit sich selbst oder anderen ins Gericht gehen. Wie lange jeder sein Kind stillen möchte, sollte seine entscheiden bleiben.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit dem Stillen gemacht? Und, was denkt Ihr über das Langzeitstillen?

Autor: Christian Kempe

Hi, ich bin der Christian oder auch Chris genannt. Ich blogge über Themen wie Familie, Erziehung, Träume, Karriere und Kindheitserinnerungen und arbeite als Erzieher. Einblick erhaltet ihr in mein wundervolles, chaotisches und oft auch nervenaufreibendes Familienleben mitten in Berlin. ​Mein Motto ist: Wer immer nur das tut, was er immer tut, der wird an seiner Situation nichts ändern! Ihr findet mich auch auf Facebook, Youtube und Google+ .

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